Vierter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 21. April 2013


Lesung: Offb 7,9.14b-17

Evangelium: Joh 10,27-30


Handy und Palmzweig

Ein Blick in die Zukunft tut gut.

Die Unzählbaren aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen hielten Palmzweige in den Händen.

Liebe Mitchristen, wenn ich bei einer Bestattung den Weihwasserbusch in der Hand halte und an die Taufe erinnere, spreche ich die Worte: „Der Herr vollende an dir, was er in der Taufe begonnen hat!“ Ich ergänze: „Und er gebe dir die Siegespalme in die Hand!“

Damit erinnere ich an das Bild und die Schau aus der Offenbarung des Johannes, dass unser Lebensweg als Glaubende, Liebende und Hoffende „dort“ endet, „wohin“ der Seher Johannes geschaut hat. Glaube, Liebe, Hoffnung sind also nicht umsonst, sondern bringen uns schließlich vor den Thron des lebendigen Gottes.


Niemand kommt allein „dort“ an. Der Apostel Paulus formuliert es so: „Keiner lebt sich selber und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende“ (Röm 14,7-9). Diese Aussage greift in unser Leben ein, wenn wir auf Jesus, den Guten Hirten, aktiv hören: „Meine Schafe hören auf meine Stimme.“


Liebe Mitchristen, wenn wir in diesen Frühlingstagen wieder gerne draußen sind, so sehen wir viele Mitmenschen mit einem Handy telefonierend stehen oder gehen; das ist inzwischen ein gewohntes Bild. Manche „Abhängige“ meinen allerdings, dass ihr Leben damit steht und fällt.

Greifen wir diese Beobachtung hundert Prozent positiv auf und deuten sie so: Anrufen und angerufen werden können, egal wo und wann, also überall und immer, und in Beziehung stehen, das ist das Leben!

Wir leben in und aus vielfältigen Beziehungen; diese Verbundenheit trägt und bereichert uns. Einsamkeit und Isolierung sind das krasse Gegenteil. Das will eigentlich niemand für sich. Jeder und jede sehnt sich nach Beziehungen, die nicht umsonst sind, die auf dem Lebensweg weiterführen und sich positiv auswirken.


Liebe Mitchristen, wir können, damit das wirksame Wirklichkeit werde, unsere Verbindungen mit den Mitmenschen in die Hände Jesu legen, sie ihm geben und übergeben, denn „niemand wird sie meiner Hand entreißen“, lautet die klare Zusage Jesu, des Guten Hirten. Selbst einmalige Begegnungen können wir in diesem Sinne in die Hände Jesu legen: positive und negative, Freud und Leid, damit er sie wandle, d.h. sie ausrichte auf das große Ziel. Dieses Ziel werden wir erreichen, wenn wir zusätzlich zum Handy auch den Palmzweig in die Hand nehmen. Handy und Palmzweig sind Symbole und sprechende Zeichen für unsere Verbundenheit untereinander und für unsere Verbundenheit mit Gott. Wir brauchen beides! Aber jeder kann überlegen und entscheiden, welches der beiden größer und wichtiger ist. Wie gesagt, wir brauchen beide Beziehungen, aber die größere Verbundenheit ist doch eindeutig die von und zu Gott!

Der Bund Gottes mit uns Menschen ist doch der entscheidende Korrekturfaktor für unsere Beziehungen zu den Menschen, für unsere Verbindungen untereinander. Aber es soll nicht der Rotstift gemeint sein, sondern der Geschenk-Charakter unserer beziehungsreichen Anknüpfungspunkte. Der Vater im Himmel weiß am besten, was uns nottut.


In der Einheit mit dem Sohn, dem Guten Hirten, schenkt er uns im Heiligen Geist Begegnungen zur rechten Zeit, so dass sie fruchtbar werden und uns den Horizont des ganzen Lebens eröffnen. Gott will uns sein göttliches Leben nicht vorenthalten, sondern in großer Liebe mitteilen. Dieses religiöse Unvertrauen ist unsere Investition, darin bestärken wir uns im Verbund der Gemeinde. Gemeinde, das ist ja auch ein Geschenk.

Der Charakter der Kirchengemeinde besteht nun darin, dass „sie niemals zugrunde geht“, denn niemand vermag sie der Hand Jesu Christi zu entreißen. Diese aus der Perspektive des Glaubens gesprochene absolute Lebensversicherung ist der Grund unserer Fröhlichkeit und Zuversicht.


Den Weg der Kirche und Gemeinden weiß und kennt der Gute Hirte. Unsere Leistung besteht im Hören auf die Zeichen der Zeit und auf Gott. In der Pastoral und in der Sorge füreinander dürfen wir kreativ Menschliches und Göttliches in Verbindung bringen. Kreativ zu sein ist schön und macht Freude und Freunde. Darin können wir uns wunderbar ergänzen. Mit Palmzweig und Handy dürfen wir uns wundern über das Wunder, Gemeinde zu sein, die bleibt; die bleibt „vom Start bis Gott“: in der Hand des Vaters durch den Sohn im Heiligen Geist. Amen.


Pfarrer Karl Enderle

 

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