Siebter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 12. Mai 2013


Lesung: Offb 22,12-14.16-17.20

Evangelium: Joh 17,20-26


Jesus sagt: „Sie sollen eins sein, wie wir eins sind.“ Das ist wohl mit das Schwierigste von allem. Gott selbst ist vollkommene Einheit. Das kann man theologisch schön entfalten, mit schönen Worten für den Intellekt und überhaupt. Woran wir aber leiden, ist die große Uneinigkeit unter den Menschen. Meistens tragen wir selbst unseren Teil dazu bei. Deswegen ist dieses Evangelium kurz vor Pfingsten hochaktuell, denn es stellt uns vor Augen, wie es sein könnte, wenn es nach Gottes Willen geht.


Jesus schenkt uns das vertraute, sogar intime Gespräch mit dem Vater und lässt uns daran teilhaben: „Wie du, Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein.“ Zwischen Jesus, dem Vater und den Menschen geht es im weiteren Verlauf des Gesprächs hin und her. Jesus ist die Brücke zum Vater und von dort her redet er. Und wenn alle eins sein sollen, dann gibt es vom Vater her über Jesus und die Jünger die Aufgabe, die Glaubwürdigkeit vorzuleben. Diese erweist sich vor allem in der Einigkeit der Christen untereinander. Praktisch gesehen betrifft das jede Gemeinde und ihre Gremien. Nur gemeinsam finden wir die bessere Lösung. Ich glaube dieses Prinzip kann man gelten lassen. Wichtig ist die Einigkeit aufgrund von Einsicht und Vertrauen. Dadurch wird die Sache an sich ernst genommen, aber auch jedes einzelne Mitglied.


Es gibt so viele gleichberechtigte Anliegen in der Kirche. Diese unter einen Hut zu bringen, ist eine Sehnsucht, die immer wieder zum Ausdruck gebracht wird. Letzten Endes lautet das Arbeitsziel: „Alle sollen eins sein.“ Von diesem Ergebnis sind wir noch ein bisschen weit entfernt. Die Glaubwürdigkeit, um die die offizielle Kirche zurzeit stark besorgt ist, gründet in dieser Einheit und Einigkeit, die Jesus vorgibt und aufgibt. Der deutsche Kandidat für die IOC-Präsidentschaft Thomas Bach hat als Motto für seine Kandidatur ausgegeben: „Einheit in der Vielfalt“. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Kraft der Vielfalt zugleich die Kraft zur Einheit ist. Die eine Kraft ermöglicht gerade aufgrund der Vielfalt die Einheit – und die Einheit ermöglicht die Vielfalt.


Es braucht bei einer weltumspannenden Organisation ein übergeordnetes Prinzip und das ist, abgesehen von Inhalten, was die Organisation betreibt, der Wille zur Einheit. Dieses eigentlich katholische Prinzip „Vielfalt in der Einheit“ findet in Jesus Christus sein übergeordnetes Prinzip. Er ist die alles verbindende Kraft, die vom Vater kommt, die Einheit aufgrund der Liebe. Die Liebe ist das erste ökumenische Wort überhaupt, das Menschen und Religionen zu verbinden vermag. Sie wird geweckt durch die Anrede Gottes als Vater.


Darüber hinaus geht es vor allem um die Einigkeit im Glauben. Jesus von Nazaret ist der von Gott gesandte Christus und in ihm allein geht das Heil für alle Völker auf. Von der Person Jesu Christi her lässt es sich aus unserer Sicht auch am besten an andere Religionen „andocken“. Wir können sie ernst nehmen in der Hinsicht, dass wir fragen: Was gibt es in der anderen Religion, was nicht auch Christus geben könnte?


Auf der Osterkerze ist das Alpha und Omega eingraviert zum Zeugnis dafür, was wir in der Lesung gehört haben: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Um Christi willen hat Gott die Welt „aufgemacht“ und um Christi willen wird er sie auch „schließen“.


Dazwischen bewegen wir uns: zwischen Aufgang und Vollendung, aber alles gegeben durch den „strahlenden Morgenstern“, durch den Herrn Jesus.


Die Liebe, wie sie Jesus Christus vorgelebt hat, ist das Urprinzip der Schöpfung. Sie ist einfach da und alles funktioniert und wir können den geringsten Teil davon erklären. So ist es auch mit der Herrlichkeit, von der Jesus spricht und die wir sehen sollen.


Wo ist Jesus, wenn nicht inmitten seiner Gemeinde – von allem Anfang an und bis zu dem Zeitpunkt, an dem er wiederkommt? Durch Christus können wir den Bogen schlagen vom Anbeginn der Welt bis hin zur Vollendung, in die uns der Seher Johannes den Blick eröffnet hat, so dass auch wir hören und rufen können: „Komm, Herr Jesus!“


Pfarrer Karl Enderle

 

zurück