Hochfest Pfingsten, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 19. Mai 2013


Lesung: Apg 2,1-11

Evangelium: Joh 14,15-16.23b-26


Bleibende Sättigung


Es gibt bestimmte Schlagworte, es gibt bestimmte Stichworte, die Wortwahl deutet schon an, dass sie verletzend sein können. Aber wenn etwas weh tut, ist das auch eine einprägsame Emotion. Was mit Schmerzen verbunden ist, behält man gut im Gedächtnis. Das ist die raue irdische Wirklichkeit. Zumindest war man bis im vergangenen Jahrhundert auch in der Pädagogik dieser Meinung.


Gott sei Dank sind solche Methoden überholt. Gott sei Dank ist das Pfingstfest gekommen. Jesus sagt: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben.“ Dieser Beistand sorgt dafür, dass wir uns das Wort Jesu in Liebe sagen – und damit wird es einprägsam. Liebe ist die allergrößte Emotion, die ein Mensch besitzen kann und sie ist das Gefühl, das den Worten Jesu am meisten entspricht. Entsprechend kann Jesus verlangen: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten.“

Wenn wir an Jesu Wort festhalten, wird Gott der Vater und Jesus bei uns wohnen kommen. Gott nimmt Wohnung bei den Menschen. Wo Gott ist, geht auch nichts verloren.


Vielfach werden wir von der Angst geplagt, dass etwas verloren geht.

Was ist denn das Wichtigste für unser ganzes Leben, das für immer bleibt und in dem alles gut aufgehoben ist?

Nach Auskunft des Evangeliums ist es das Wort Jesu Christi.

Für seine Einprägsamkeit brauchen wir die Liebe des Heiligen Geistes als andauerndes und bleibendes Geschenk. Er lehrt und erinnert an alles, was Jesus gesagt hat. Er macht das Herz auswendig davon. „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6,45) und darüber überlegt und meditiert der Geist.


Es gibt so viele Details in unserem Leben, die kommen und gehen, und schon nach einem Tag sind wir froh, wenn wir zwei Drittel davon vergessen können.

Wie sortieren wir die vielen Erinnerungen eines langen Lebens? Welche Kriterien gibt es, wenn nicht das Wort Jesu, das uns beim Autofahren einfällt, während der Haushaltsarbeit oder inmitten eines Berges von Büchern und zwischen den gehäuften Stapeln am Schreibtisch?


Der Heilige Geist ist die Kraft, die zur rechten Zeit in Erinnerung bringt, was die Sache Jesu ist und die Angelegenheit fürs Reich Gottes. Auch wird ein unnützes Hobby vom Heiligen Geist nicht so befördert, wie wenn ich mich nach den Worten Jesu richte und seine Worte in konkrete Taten umzusetzen wage. Jedes Wagnis dieser Art wird belohnt durch die Erfahrung des Heiligen Geistes, der uns an das eine Notwendige erinnert, nämlich die Worte Jesu, die uns in Fleisch und Blut übergehen sollen. Der Heilige Geist formt unser Leben nach Jesu Weisung. Und wenn das Wort Jesu voll Liebe unser ganzes Leben geprägt hat, dann werden wir eine bleibende Veranschaulichung der Wort-Wahl Jesu.


Wenn von unserem Leben die Konturen des Wortes Jesu Christi übrigbleiben, dann wird auch deutlich, welcher Beistand uns gegeben war.


Pfarrer Karl Enderle

 

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