Hochfest Dreifaltigkeitssonntag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 26. Mai 2013


Lesung: Röm 5,1-5

Evangelium: Joh 16,12-15


Wenn wir auf einem Brief die Adresse deutlich schreiben, kommt der Brief an die richtige Adresse. Auch Punkt und Komma sind umso wichtiger geworden, seitdem wir durch die elektronische Post kommunizieren. Zudem werden die Telefonnummern immer länger, ein Zahlendreher – und die gewünscht Verbindung kommt nicht zustande.

Wenn wir etwas mitteilen wollen, müssen wir zunehmend auch Sorge tragen, dass eine Botschaft auch ankommt und die Adresse erreicht. Bei den E-Mails gibt es die „Lesebestätigung“. Bei Briefen gibt es das Einschreiben und die Zuverlässigkeit der Post. Beim Telefonieren hat jeder von uns seine eigenen Erfahrungen. Wenn ich den betreffenden Menschen persönlich am Hörer habe und sprechen kann, funktioniert die Kommunikation schon mal zusätzlich über die Melodie der Stimme.


Wie ist das nun, wenn Jesus sagt über den Heiligen Geist: „Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden“?

Mit „euch“ sind natürlich wir gemeint, jeder und jede von uns. Wir sind die Adressaten des Evangeliums. Kommt die Verkündigung bei uns an? Hat sie unser Herz erreicht? Leben wir aus der Frohen Botschaft? Haben die Worte Jesu die Kraft, unser Denken, Reden und Handeln zu bestimmen? Gibt es sozusagen für den lieben Gott auch eine „Lesebestätigung“ für das Evangelium, dass seine Botschaft „angekommen“ ist, so dass er nicht zornig werden muss über seine ungehörte Stimme?


Liebe Mitchristen! Eines ist klar: Um die Stimme Gottes übers Evangelium zu vernehmen, müssen wir dafür empfänglich sein.

Das ist sehr schwierig geworden, denn es gibt so viele Verlautbarungen und Lärm und Stimmen, so viele Freizeit-Angebote und so manche berufliche Herausforderungen und Beanspruchungen, so dass der Tag und die Woche eng werden können, um das Evangelium zu hören. Es „zwischendurch“ oder „gleichzeitig“ zu hören, ist zu wenig und entspricht nicht dem Charakter der rettenden Botschaft. Seiner Natur nach braucht das Evangelium unsere volle Aufmerksamkeit. Nur das ist der Natur der Botschaft Gottes wirklich angemessen.


Wie sorgt Gott selbst nun dafür, dass seine „Werbung“ um uns, dass seine „Bemühungen“ um uns nicht umsonst sind?


Nach Auskunft der Lesung vom Apostel Paulus ist es die Hoffnung. In der anderen Reihenfolge genannt, ist die Hoffnung durch Bewährung, die Bewährung durch Geduld, die Geduld durch Bedrängnis gekommen. Vom Ergebnis her rühmt sich der Apostel der anfänglichen Bedrängnis. Sie ist ihm willkommen, denn schließlich „landen“ wir bei der Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt. Er nennt den alles umfassenden Grund; die Begründung lautet: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“


Diese Gabe in unser Herz hinein wird zur Empfangsbestätigung für Gott und sein Wort. Wenn nicht Gott selbst dafür gesorgt hätte, dass sein rettendes Wort bei uns ankommt, gingen wir leer aus, wir wären „verloren“. Stattdessen sorgt der dreieinige Gott in seiner Vorsorge und in seiner Fürsorge für uns, dass wir nicht verloren gehen – gerade wegen oder trotz aller Bedrängnis.


In einem ordentlichen Haushalt geht nichts verloren“, sagte eine Hausfrau.

Der „Haushalt Gottes“ ist mehr als ordentlich, milde und unzureichend gesagt. Aber wir verstehen: Der dreieinige Gott sorgt dafür – durch seinen Heiligen Geist - , dass die Speise seines Wortes an seinem Tisch bekömmlich ist und gut „verdaut“ wird. In unserem Herzen führen wir dann den Dialog mit dem Wort, das uns bewegt, das uns auf den Weg bringt, Christ zu sein, den ganzen Tag und überall, wohin wir kommen.


Auch brauchen wir keine Angst zu haben, in Bedrängnis zu kommen, denn Bedrängnis bewirkt ja schlussendlich Hoffnung und diese kommt zustande durch die Ausgießung des Heiligen Geistes. Gottes Gabe erhalten wir also nicht tröpfchenweise in unser Herz, sondern der Heilige Geist ist in vollem Maß ausgegossen. So erhalten wir die Befähigung, verschiedene Bedrängnisse zu bewältigen. Das macht Mut zur Nachfolge Jesu Christi, die darin gründet, auf Jesu Wort zu hören.


Können Außenstehende an uns und unserer Gemeinde ablesen, dass das Wort Christi bei uns angekommen ist? Sind wir, jeder in seiner Person, die Lesebestätigung des lieben Gottes? Es ist Pfingsten geworden und die Gemeinde und die Kirche insgesamt werden zur Lesebestätigung des Wortes Gottes in aller Welt und vor aller Welt. Als Christen gehören wir dazu – mit Punkt und Komma, also mit jedem Detail, das die Nachfolge ausmacht – vielfältig und eins zugleich.


Pfarrer Karl Enderle

 

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