Eucharistiefeier am 2. Sonntag im Jahreskreis,
Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 17. Januar 2010

 

Kyrie-Rufe

Herr Jesus Christus, du Herrlichkeit Gottes, du gibst uns Mut und Kraft zum Leben.

Herr Jesus Christus, du Leben in Fülle, du verwandelst unsere Not in Hoffnung.

Herr Jesus Christus, du Gnade über Gnade, du schenkst uns Freude aus dem Glauben an deine Gegenwart.

 

Lesung: 1 Kor 12,4-11

Zwischengesang: GL 106,1+2

Evangelium: Joh 2,1-11

 

Gute Saat!

 

Zurzeit herrscht der Winter. Er beherrscht das Land. Die Felder liegen unter einer geschlossenen Schneedecke. Unsere Augen erfreuen sich am schönen Weiß. Das weiße Brachland erschreckt uns nicht. In gut zwei Monaten denkt jeder nur noch an den Frühling.

Zum gleichen Zeitpunkt, also Mitte März, finden die Wahlen statt für den Kirchengemeinderat. Werden sich bis dahin unsere Gemeinden ebenfalls vom Winter zum Frühling gewandelt haben?

Gemeinsames Lied: GL 106,3

 

Überreich die Saaten sprießen“ – das ist draußen zwar noch nicht der Fall, aber dazu habe ich ein Bild gemalt. Es handelt sich um ein „inneres Bild“ über den Zustand unserer Gemeinden. Es veranschaulicht das Saatgut im Saatfeld.

 

Zunächst einmal sehen wir nur die obere Bildhälfte mit der Erdkrume und ein paar grünen Spitzen.

Angedeutet ist darüber die geballte Kraft der Sonne. Sie ist das Bild für Gott! Der Apostel Paulus hat das für uns so formuliert: „Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“

 

Liebe Mitchristen, das ist unser Glaube und unser großes Vertrauen: Gottes ziehende und erziehende Gegenwart über unseren Gemeinden. Deshalb nun die andere Hälfte der Wahrheit. Die untere Hälfte des Bildes wird aufgedeckt.

 

Wir sehen viele kleine Knollen mit Antrieben, das sind die Körner, das ist das verborgene Saatgut. Man bzw. frau wartet auf die lebendige Gemeinde, darauf, dass Gemeinde-Wasser zu Gemeinde-Wein wird. Aber diese Zurückhaltung, das mutlose Zögern führt nur zum Wein-en. Woher kommt also der entscheidende Zug, wenn nicht vom Herrn der Gemeinde? „Allem Beginnen menschlichen Handelns liegt das Handeln Gottes uneinholbar voraus.“1 Das meint die Vorgabe der Gnade. Die Windeln der Menschheit sind gewoben aus Gottes Gnade.

 

An Weihnachten ist diese Gnade unübertroffen offenbar geworden. „Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, ist eine unvergleichliche Vor-Gabe, deren Kraft uns nach und nach erst ergreift.“2 Das ist gleichsam so, wie die aufsteigende Sonne so nach und nach den Schnee schmilzt und die Erde wärmt und sie zum Keimen und Sprossen bringt.

Wenn wir genau hinschauen, dann erkennen wir Spuren von Rot in jedem Weizen-korn. Sie bedeuten, „dass in jedem Menschen keimhaft Gaben grundgelegt sind, die entfaltet werden sollen und wollen. Im Blick auf die Gemeinde beobachtet der Apostel Paulus Vergleichbares. Paulus begrüßt die erkennbare Vielfalt der Gaben und Begabungen und macht zugleich auf Gott als gemeinsamen Ursprung aufmerksam.“3

Das Vertrauen auf diese Kraft Gottes in uns mag uns aus der Reserve locken. Auf dem Bild entsteht eine Beziehung zwischen dem spärlichen Rot in den Körnern und dem glühenden Rot des Christus, „der Sonne unseres Heiles“. Seine Gnade will uns ergreifen für den Dienst in und an seiner Gemeinde.

 

Im Hinblick auf die winterliche Landschaft unserer Gemeinden bewirkt diese Enthüllung Hoffnung. Es gibt bei den Kirchengemeindemitgliedern viele Ressourcen an Begabungen und Fähigkeiten; es gibt mehr als genug Personen, die zum Bespiel auch die Eignung für den Kirchengemeinderat besitzen. Die Gemeinde Gottes „Christus König“ braucht 14 Kandidat/innen, die bereit sind, sich aufstellen zu lassen.

 

Der Wein ist ausgegangen… Bleiben wir auf leeren Krügen sitzen? Wenden wir uns an die Patronin des Hauses! Sie wartet auf mit der bekannten Antwort: „Was er euch sagt, das tut!“

Ich verändere ein Wort Jesu sinngemäß: Nur wenn das Weizenkorn sich traut, sich zu verausgaben, bringt es reiche Frucht!

Und der bisherige Kirchengemeinderat kann ganz gewiss bestätigen: Gott wird das Gute, das wir begonnen haben, auch vollenden!

 

 

Credo-Lied: GL 106,4+5

 

 

Fürbitten


Gott, unser Vater, du bist Anfang und Ende, Ursprung und Ziel unseres Lebens. Aus deiner guten Hand kommt alles Gute!

Wir bitten dich:

 

  • Lass die gute Saat in unseren Gemeinden aufgehen und reiche Frucht bringen.

Gott und Vater: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

  • Steh allen Christinnen und Christen bei, dass sie auf Jesu Wort hören und ihr Leben danach ausrichten.

Gott und Vater: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

  • Gib allen Eheleuten, die einander ihr Jawort gegeben haben, Kraft zu lebendiger Treue.

Gott und Vater: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

  • Erbarme dich aller, deren Lebenspläne oder Ehen zerbrochen sind und schenke ihnen die Gewissheit, gehalten und getragen zu sein.

Gott und Vater: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

  • Führe unsere Verstorbenen zur Teilnahme am ewigen Hochzeitsmahl.

Gott und Vater: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Gott, unser Vater, du willst, dass wir Leben haben! Erfülle unsere leeren Krüge mit deiner übergroßen Liebe, mit der du uns täglich umgibst. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Kommunion-Meditation

 

Bedenke, Mensch,

dass du ein Keimling bist

und dass die Wärme der Sonne

dich zum Sprossen bringt.

 

Bedenke, Christ,

dass du ein Getaufter bist

und dass die Gegenwart Christi

dich ihm ähnlich macht.

 

Bedenke, Mensch,

dass du ein Weizenkorn bist

und dass der Tod und die Auferstehung Christi

dich zur Verausgabung anstiftet.

 

 

Pfarrer Karl Enderle

 

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