Eucharistiefeier am 5. Sonntag im Jahreskreis,
Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 7. Februar 2010

 

Erste Lesung: Jes 6,1-2a.3-8

Zweite Lesung: 1 Kor 15,1-11

Evangelium: Lk 5,1-11

 

Befreiung der Häftlinge

 

Ein Sünder plus ein Sünder ergibt zwei Sünder.

Eine Sünderin plus eine Sünderin macht zwei Sünderinnen.

Eine Sünde plus eine Sünde ergeben zusammen eine Sünde, weil man „Sünde“ eigentlich nicht zählen kann. Deshalb lautet das zentrale Bekenntnis: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“ (vgl. Joh 1,29).

Dieser Hinweis stammt von Johannes dem Täufer, als er Jesus von Nazaret begegnete.

Sündhaftigkeit ist ein Zustand, der erschrecken lässt. So empfindet zumindest Petrus, nachdem Jesus ihm seine „Kompetenz“ demonstriert hat. Ebenso ging es Jakobus und Johannes.

 

Liebe Mitchristen, geht es uns nicht auch „ebenso“? Jesus, geh weg von mir, ich bin ein Sünder!

Das Alte Gefängnis in der Stadt unten hat zwar schon lange ausgedient, trotzdem sind wir Häftlinge der Sünde geblieben. Der Apostel Paulus bezeichnet sich selbst als „Missgeburt“ in Bestürzung über sein früheres Verhalten.

Auch der Prophet Jesaja ist am Anfang seiner „Karriere“ entsetzt und fühlt sich als Mann „mit unreinen Lippen“.

 

Liebe Mitchristen, auch wir sind sündhafte Wesen. Doch was ist eigentlich „die Sünde“?

Sie ist gewissermaßen eine Absonderung von Gott, dem Ursprung alles Guten. Der Mensch möchte etwas Besonderes sein, aber ohne Gott.

Sie ist zugleich Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitmenschen. Die Rücksichtslosigkeit übersieht die letzte Verankerung jedes Menschen in Gott und erzeugt dementsprechendes Verhalten. Die Ursünde jedoch ist das Weghören, das Nicht-auf-Gottes-Stimme-Hören. Das führt logisch von Gott fort auf Irrwege.

 

Die Abkehr von der Sünde führt zurück zu Gott! Dafür allerdings sorgt Gott selbst zuerst, sozusagen von außen, denn ein Häftling kann sich ja auch nicht selbst befreien. Beim Propheten Jesaja ist es die glühende Kohle vom Altar Gottes, mit welcher der Engel seinen Mund berührt. Das ist das Zeichen. Dazu kommt das gültige Wort: „Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt.“ Wort und Zeichen machen ihn frei für den Dienst und jetzt kann er aus freien Stücken antworten: „Hier bin ich, sende mich!“

In der Folge sorgten er und seine Nachfolger für den entscheidenden Funkkontakt zwischen Gott und Mensch, niedergeschrieben im Buch. Sie wurden zum Horchposten für ihr Volk, den Weg Gottes zu gehen.

 

Auch Jesus ging es darum, den Weg Gottes zu gehen und ihn zu eröffnen. Durch den reichen Fischfang auf sein Wort hin bekamen die Jünger das Zeichen, mit wem sie es zu tun haben und über ihren entsetzlichen sündhaften Zustand rettet sie das Wort Jesu: „Fürchte dich nicht!“

Wort und Zeichen machen sie frei, alles andere zurückzulassen und Jesus nachzufolgen.

Nachfolge bedeutet: Menschen auf den Weg Gottes aufmerksam machen unter Einsatz seines eigenen Lebens.

 

Das wird auch beim „nachösterlichen“ Apostel Paulus deutlich, an dem die Gnade Gottes ihre Wirkung zeigte. So ist aus ihm – zusammen mit und aufgrund der Gnade Gottes – etwas Besonderes geworden wie er selbst sagt: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.“

Dazu ist die Kirche da, dass die Gnade Gottes sich vollends auswirkt. Sie ist der verlängerte Arm für das gnädige Handeln Gottes. Im Auftrag Jesu führt sie Menschen in die Freiheit, aus der Fremde in die Heimat, aus dem bloßen Reden über Gott und die Welt zu einer verbindlichen und innigen Gemeinschaft mit Gott. Notwendig ist dafür die direkte Zusage und das erkenntliche Zeichen. Deine Schuld ist gesühnt, deine Sünde getilgt! Die Gnade Gottes sei mit dir! Fürchte dich nicht!

 

Liebe Mitchristen: Die Rede über Sünde und Sünder mag undeutlich, unverständlich und verworren sein – aber die Botschaft der Heiligen Schrift ist so eindeutig, dass sie uns einlädt, die Verbindung mit Gott zu besiegeln: „Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt!“

 

 

Fürbitten

 

Gott, du rufst Menschen in deinen Dienst, dass sie deine gute Botschaft den Menschen verkünden in Wort und Tat. Wir bitten dich besonders für alle, die du heute in die Nachfolge deines Sohnes berufst:

 

 

  • Als Glaubende beten wir, dass wir bereit sind, uns mit unserem ganzen Leben von dir in Dienst nehmen zu lassen.

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,

aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

 

  • Als Christen beten wir, dass wir uns von dir ergreifen und führen lassen, um unseren Mitmenschen heute in deinem Namen nahe zu sein.

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,

aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

 

  • Als Zögernde beten wir, dass wir deinem Ruf folgen und überzeugten und überzeugenden Vorbildern begegnen.

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,

aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

 

  • Als Getaufte, die du in deine Nachfolge berufen hast, beten wir, dass wir erkennen, was heute zu tun ist, und so lebendig bleiben in unserem Glauben.

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,

aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

 

  • Als Gemeinde beten wir für junge Menschen auch aus unserer Gemeinde, dass sie sich von dir rufen und senden lassen.

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,

aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

 

 

Heiliger Gott, du hast uns erlöst ohne unser Zutun, doch du willst, dass wir nun mitwirken am Aufbau des Reiches Gottes. Lass uns nicht zögern, wenn du uns rufst, sondern mach uns bereit, mit dir zu den Menschen zu gehen. So bitten wir dich mit Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Pfarrer Karl Enderle

 

zurück