Eucharistiefeier am 6. Sonntag im Jahreskreis,
Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 14. Februar 2010

 

Erste Lesung: Jer 17,5-8

Evangelium: Lk 6,17.20-26

 

In diesen Wintertagen wird nicht nur der Schnee auf die Schippe genommen, sondern auch viel Menschliches und Allzumenschliches, denn bis Dienstag ist noch Fasnachtszeit. Während wir allerdings die weiße Pracht einfach zur Seite räumen können, stecken wir so manchen eventuell blöden Witz nicht einfach weg. Wenn wir oberflächlich bleiben, meinen wir vielleicht, das Menschliche sei eben nur relativ witzig. Wer es aber gewohnt ist, tiefer nachzudenken, dem geht die Sache nicht so leicht ab, etwa so wie der Schnee im Frühling von der Oberfläche wegtaut.

 

Liebe Mitchristen! Am schönsten ist es doch, wenn wir über eine humorvolle Darstellung so lachen können, dass uns dabei die Tränen kommen. Dann war die witzige Szene so herzlich tiefgründig, dass uns der Lebenssaft aus den Augen perlt.

Was also ist echter, tiefgründiger Humor? Das meint laut Duden die „Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeit der Welt und des Lebens heiter und gelassen zu betrachten und zu ertragen.“

 

Wie geht das? Einerseits die Unzulänglichkeit zu bejahen und auszuhalten, anderseits trotzdem darüber, trotzdem darob herzlich lachen zu können – mit der entsprechenden humoristischen Feuchte.

So richtig lachen zu können, ist doch die beste Erholung für den ganzen Körper. Auf Rezept oder durch Verordnung geht das nicht, Lachen auf Kommando wirkt albern.

 

Aber Moment, ich hab’ da was für Sie!

Ist es nicht die alttestamentliche Lesung aus dem Propheten Jeremia? Beim Vortrag eben hat niemand gelacht. Aber seine Worte nennen die Voraussetzungen für unseren wertvollen Humor beim Namen!

 

Wirklich loslassen und abgeben können wir nur, wenn wir die Dinge tiefgründig verankert wissen, eben wie ein Baum, dessen Wurzeln bis zum Wasser reichen, bis zu dem Wasser, das ständig fließt.

Wenn uns bewusst wird, dass unser Leben verbunden ist mit der Unaufhörlichkeit des Lebens, dann erfahren wir eine Gelöstheit, die gut tut. Das ist die Lösung!

 

Gelöst, entspannt und locker können wir die Dinge nur nehmen, wenn wir spüren, dass es dem Geber aller Gaben nie ausgeht. Er liebt das Menschliche, denn er hat es ja erschaffen. Humor im eigentlichen Sinn ist deswegen nicht verletzend, sondern setzt auf die Güte und das Gute dieser Welt und wirkt deshalb der Natur der Sache nach heilend und erfrischend.

 

Humorvolle Gewissheit wird darum zum Segen, der unser Leben gelingen lässt, so wie Gott will. Darin liegt auch die Freude der Fasnachtszeit. Abrupt wird sie beendet durch die graue Asche am Aschermittwoch. Doch: Das nächste Osterfest kommt bestimmt, so sicher wie der nächste Frühling.

 

Dazu braucht es Menschen mit Humor, also Menschen, die zum Beispiel für andere den Schnee wegräumen und trotzdem lachen. Viel Schnee braucht viel Humor. Wir sind dankbar für alle Schneewegräumer. Wir setzen auf Mitmenschen, aber nicht nur. Wir setzen letzten Endes auch auf den lebendigen Gott, der den Frühling heraufziehen lässt und im Wettergeschehen den Schnee wegtauen macht.

 

In den vielen anderen menschlichen Vorgängen und Zuständen ist eben auch und vor allem Gott selbst am Werk. Dies zu erkennen und darauf zu vertrauen, darin liegt der Segen! Dann können wir auch mal fünf gerade sein lassen.

Auch wenn uns oft anderes vorgegaukelt wird, so liegt unsere letzte Sicherheit in Gott, d.h. im Wort Jesu: „Ihr werdet lachen.“ Der Humor Jesu besteht darin, dass er die Unzulänglichkeit der Menschen bis zur Unerträglichkeit ertragen hat.

 

Nach seiner Kreuzigung wurde er in den Humus der Erde gebettet. Seither können wir sogar den Weg alles Irdischen ganz humorvoll annehmen. Der christliche Glaube wird zwar manchmal verlacht; wir kennen aber auch das Sprichwort: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“. Das heißt aus christlicher Perspektive, der hat mit Christus für immer gewonnen! Denn Christus hat den Weg zum Vater freigeräumt.

 

 

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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