Predigt am 4. Sonntag der Österlichen Bußzeit, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 14. März 2010


Erste Lesung: Jos 5,9a.10-12
Zweite Lesung: 2 Kor 5,17-21
Evangelium: Lk 15,1-3.11-32


Heute können wir wählen. Die Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Kirchengemeinderat stellen sich heute zur Wahl.
Es gibt aber auch ständig eine noch etwas andere Wahl: Wir wählen zwischen den beiden Söhnen.

Wie es dem so genannten verlorenen Sohn ergeht, ist uns bekannt oder wir haben es jetzt noch einmal ausführlich gehört.
Wir können also nicht behaupten, wir wüssten nicht, wie Gott ist. So ist er, der Herrgott, der Vater im Himmel!
Er ist allezeit bei uns; nicht nur dann, wenn wir fragen: Wo war da Gott?
Denn der Vater antwortete dem älteren Sohn: „Mein Kind, du bist immer bei mir.“
Wenn wir der ältere Sohn sind, dann heißt das für uns: Wir sind immer bei Gott!
Persönlich wird sich nicht jeder gleich so fühlen, denn das Bekenntnis des älteren Sohnes setzt voraus: Vater, ich habe nie gegen deinen Willen gehandelt.
Diese Obacht ist vermutlich der Maßstab, um zu spüren, dass wir unter einem Dach bei Gott zu Hause sind.
Außerdem reden die beiden miteinander. Auch wir können uns auf das Gespräch mit Gott einlassen. Da ist immer Sprechstunde, 24 Stunden am Tag und ohne Voranmeldung. Die Festlichkeit unseres Lebens besteht darin, dass wir unser Leben in Gott festmachen.

Schließlich gilt auch die zweite Zusage: „Alles, was mein ist, ist auch dein!“ Ich finde das eine wunderbare Feststellung. In einfacher Übertragung heißt das: Alles, was Gottes ist, gehört auch uns. Umgekehrt meint das aber auch: Alles, was wir unser eigen nennen, gehört auch Gott! Dadurch können wir doch unser ganzes Leben bei Gott hinterlegen. All die Dinge unseres Lebens sind auch bei Gott, unserem Vater, gut aufgehoben. Ihm ist nichts von uns unbekannt.

In diesem Sinn ist auch die ganze Schöpfung Gottes Eigentum und uns nur anvertraut. Wenn nun bald in Feld und Wald der Frühling erwacht, was gehört uns davon?
Wie schnell entgleiten uns die Dinge, schon von einem Tag auf den anderen. Wir versuchen sie natürlich festzuhalten, auf Papier oder digital und bekommen sogar unbegrenzten Speicherplatz durch den PC. Doch wo sind unsere Lebensdaten eigentlich wirklich gut aufgehoben, wenn nicht im Haushalt unseres einen guten Vaters, wie ihn Jesus „vorgestellt“ hat? Woraus schöpfen wir unsere Erinnerungen zum Beispiel bei einem Jahrgängertreffen? Ist das nicht ein gemeinsamer Brunnen, worin in der Tiefe unendliches Wasser des Lebens strömt?

Treffen wir die Wahl und bleiben wir unter dem Dach des einen guten Vaters im Himmel und seien wir nicht neidisch über eventuelle „Spätheimkehrer“, auf die Gott, der Vater, in seinem Gutsein schon gewartet hat.

Das Fest steht noch aus, aber dann können wir feiern!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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