Predigt am Gründonnerstag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 1. April 2010


Erste Lesung: Ex 12,1-8.11-14
Zweite Lesung: 1 Kor 11,23-26
Evangelium: Joh 13,1-15


Kraftvolle Erinnerung

Mittlerweile ist es üblich geworden, dass die Bäckereien auch sonn- und feiertags frisches Brot und frische Brötchen liefern. Das schmeckt einfach.
Doch dafür müssen andere Mitmenschen früh aufstehen. Bäcker sind keine Morgenmuffel, sonst haben sie den falschen Beruf. Als ich in eurem Alter war, liebe Kommunionkinder, wollte ich auch mal Bäcker werden.
Tatsächlich müssen wir immer wieder essen, um gesund und kräftig zu werden oder zu bleiben, damit wir die Wege unseres Lebens gehen können.

Jesus wollte, dass seine Jünger auch nach seinem Tod weiter gehen können. Deshalb kümmerte er sich zunächst um ihre Gehwerkzeuge, ihre Beine, ausgehend von den Füßen. Er wird für sie zum „Fußpfleger“. Er gibt ihnen Kraft von außen. Vorbildlich wendet er sich ihnen zu und schenkt ihnen seine auferbauende Liebe.
Die Jünger muss das damals sehr beeindruckt haben. Jesus hat sie damit für ihre spätere Sendung zugerüstet, damit ihnen bewusst bleibt, von wo und von wem sie ausgegangen sind. Auch auf schwierigen Pfaden konnten sie sich gewiss sein, wer ihre Schritte leitet und behütet.

Auch wusste Jesus, dass seine Jünger eine Speise brauchen für ihren Weg, auf den er sie senden wird. Deshalb „macht“ er sich selbst zur Speise für sie.
Er brach das Brot und sagte: „Das ist mein Leib für euch!“ Aufgrund dieser Worte Jesu wird dieses Brot zur Leibspeise der Christen. Er nahm den Kelch und sprach: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut!“ Aufgrund dieser Worte Jesu wird dieser Wein zum Trank des Heiles.
Seither ernähren sich die Christen von den Gaben Christi. Leib und Blut bedeuten die ganze Person. Christen leben aus der Lebenshin-Gabe Christi. Jesus wird zum „Bäcker“ des Brotes, welches der Welt das Leben schenkt.
Das tut er mit nur 37°, also mit menschlicher Stimme und dem Hauch seines Mundes.
„Jesus schenkt seinen Jüngern Sinn, indem er ihnen Worte des Lebens gibt. Ebenso wenig behält er seinen Geist, seinen Atem für sich, sondern gibt ihn seinen Jüngern und Jüngerinnen. Wenn sie ihren Atem geben, um seine Worte zu wiederholen, tun sie es ihm gleich, behalten sich nicht für sich, sondern sie geben ihren Lebensatem für ihn und mit ihm für alle.“1

Wenn wir Eucharistie feiern, dann atmen wir das Gedächtnis Jesu Christi ein und aus. Und wir lieben doch frische Luft zum Einatmen. Ohne Ausatmen gibt es auch keine Worte. Unverbindlich Wind machen ist auch nicht unsere Sache. Deshalb müssen es bestimmte und bestimmbare eindeutige Worte sein, die uns in Erinnerung rufen, was Jesus getan hat und tut und tun wird.

Im Hochgebet wiederholt der Priester die Worte Jesu und setzt sie gegenwärtig. In der Feier der Heiligen Messe ist uns also die Gegenwart Christi geschenkt. In seinen ureigenen Worten spricht er uns an: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe!“ „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“
Bei der Mitfeier der Eucharistie atmen wir die Gegenwart Jesu Christi immer ganz frisch ein und aus. Dadurch bleibt unser Glaube auch stets frisch.

Allerdings müssen wir für das Brot des Himmels auch immer früh aufstehen und hingehen, manchmal sehr früh. Aber es lohnt sich. Frische Brötchen machen wieder hungrig, spätestens am nächsten Vormittag. Dieses Brot macht für immer satt! Es kommt von Gott und gibt zunehmend Kraft für den Weg zu Gott. Es kräftigt und bestärkt unsere Erinnerung an das Letzte Abendmahl.

Auch die Füße, die Jesus in die Hand nimmt, bekommen Kraft für den Weg des Glaubens. Die Fußwaschung erinnert an unsere Hoffnung und stärkt sie, dass auch wir in der Nachfolge Jesu Christi von Fuß bis Kopf in die Auferstehung gelangen.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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