Predigt am Karfreitag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 2. April 2010


Jesus war unschuldig. Er nahm den Sühnetod frei und willig auf sich. Er ging den Kreuz-Weg im Gehorsam zum Vater. Seine Lebenshingabe wurde zum Geschenk des Lebens an uns.

Die Kreuzigung wird ein Geheimnis des Glaubens bleiben. Wir können dieses Geschehen vermutlich weder juristisch noch medizinisch noch theologisch vollends ausloten. Es bleiben viele Fragen offen.

Aber dass Jesus gekreuzigt wurde, steht fest. Nach entsprechender Anklage wurden damals viele gekreuzigt. Die Römer hatten diese Art der Hinrichtung von den Griechen übernommen. Wenn nicht ein Vertreter der damals alles beherrschenden Weltmacht der Römer dies veranlasst hätte, wäre der Tod Jesu viel weniger historisch greifbar.

Die Deutung des Kreuzestodes Jesu bleibt übrig. Jesus von Nazaret hing für Dich zwischen Himmel und Erde! Die Deutung des Kreuzestodes Jesu von Nazaret bleibt übrig – für alle Welt zur Verkündigung. Diese gipfelt in der Aussage: Jesus ist für Dich gestorben! Dazu gehört die ebenbürtige Rückfrage: Warum gerade ich, warum gerade für mich?

Das Anliegen der vier Evangelisten ist, dass wir in die Nähe dieses Geheimnisses kommen. Wir haben das ganze Leben lang Zeit, uns diesem Geheimnis zu nähern. Die Evangelien eröffnen uns die Perspektiven am Kreuzweg Jesu entlang. Nur wer „barfuß“ den Leidensweg mitgeht, wird dem Geheimnis des Glaubens teilhaftig. Auch Mose musste vor dem brennenden Dornbusch die Schuhe ausziehen (vgl. Ex 3,5).

Den Anspruch Gottes an uns hören wir nur in direkter Berührung mit der Erde. Wenn wir bereit sind, das Leben und das Leiden und das Sterben Jesu uns von Kopf bis Fuß und von Fuß bis Kopf etwas angehen zu lassen, werden wir hineingenommen in die Lebenshingabe Jesu. Wie die Sonne am kommenden Ostersonntag leuchtet uns dann die Verheißung Jesu ein: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen!“ (Mt 16,25).

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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