Predigt am 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C, Erstkommunion

Schwäbisch Hall, 18. April 2010


Lesung: Ez 36,24-28
Evangelium: Joh 21,1-19

 

Ich möchte mit dem Herzen sehen

 

Liebe Kommunionkinder,

„Folge mir nach!“ hat Jesus zu Petrus gesagt. Dazu hat Jesus ihn aber nur eingeladen, weil er ihn liebt. Jesus liebt Petrus über alles und deshalb traut er ihm zu, ihm nachzufolgen. Damit Petrus aber dieser Liebe Jesu ganz gewiss sein kann, hat Jesus ihn dreimal gefragt.

„Ich liebe dich!“, das sagt man nicht einfach so, das kommt ganz tief aus dem Herzen. Liebe kann man eigentlich nicht sehen, aber sie öffnet das Herzauge. Wir alle haben zwei Augen im Kopf – und gleichzeitig haben wir ein Auge im Herzen.

Das, was wir mit den körperlichen Augen sehen, nehmen wir mit dem Herzauge wahr. Wir beobachten unsere Umgebung mit dem Herzen. Damit wir mit diesem Herzauge sehen können, braucht es die Liebe als Voraussetzung. Wenn ihr zum Beispiel zu euren Eltern aufschaut, dann nehmt ihr Vater oder Mutter wahr und ihr erkennt sie mit dem Herzen mehr als mit den Augen im Kopf. Oder wenn es abends dunkel ist und ihr euch schlafen legt, dann hört ihr auch die Stimme von Vater oder Mutter oder eurer Geschwister mit dem Herzen.

Wenn ihr jetzt zum Beispiel die Augen zumacht, dann hört ihr mich reden und wisst, dass ich da bin, obwohl ihr mich gleichzeitig nicht seht. Oder ihr macht heute Nachmittag einen Spaziergang bei dem schönen Wetter und ihr hört die Vögel singen oder Hunde bellen, die freuen sich nämlich über das Licht und die Wärme des Frühlings. Mit eurem Herzen könnt ihr empfinden, dass auch die Tiere sich freuen über ihr Dasein und dass die Stimmen der Tiere unwillkürlich auch Gott loben.

Wenn wir heute beim Fest eurer Erstkommunion miteinander singen und beten, dann spürt ihr, dass es etwas gibt, was uns alle durch eine große Liebe verbindet.
Jeder kann mit dem Herzen sehen und hören. Und was wir mit dem Herzen hören und sehen, das verbindet uns zutiefst miteinander. Diese große Liebe ist von Gott geschenkt. Denkt einmal daran, wann im Jahr Menschen sich am meisten beschenken. Das ist doch am Weihnachtsfest, weil Gott uns Jesus geschenkt hat.

Jesus von Nazaret ist die übergroße Liebe Gottes. Weil diese Liebe vom Herzen Gottes kommt und in die Herzen der Menschen gelangt, sind wir in ihm mit allen Menschen verbunden. Wenn wir zu Jesus aufschauen, spüren wir diese Verbundenheit.
Den Jüngern damals hat Jesus das Herz sehend und hörend gemacht. Denkt einfach daran, wie es den Jüngern erging: Sie waren darauf angewiesen, in der Nacht Fische zu fangen, damit sie morgens etwas zu essen haben.
Deswegen hat Jesus ihnen den Hinweis gegeben, es einmal auf der rechten Seite des Bootes zu probieren. Sie taten, wie Jesus gesagt hatte – und hatten genügend Fische im Netz. Einer von den Jüngern hat das Besondere gemerkt. Sein Herzauge hat gesagt: „Es ist der Herr!“ und das hat allen anderen die Augen geöffnet, so dass auch sie Jesus erkannten und nicht mehr zu fragen brauchten.

Plötzlich war zusätzlich Fisch und Brot da – ohne dass sie es zubreiten mussten. Jesus hat ihnen damit gezeigt, dass er für sie sorgen kann und dies auch immer tun will. Da ging ihnen das Herzauge auf und es wurde ihnen bewusst, dass es mit Jesus mehr als genug gibt für alle, wenn man nur auf ihn schaut und auf ihn hört. Gott will nun, dass diese Nachricht, diese frohe Botschaft alle Menschen erreicht. Darum hat Jesus seinen Jüngern den Auftrag gegeben, vielen anderen Menschen zu sagen, sie sollen auf ihr Herz hören und mit dem Herzen sehen. Wer sich dafür wirklich anstrengt, wird spüren, dass Jesus da ist und zwar mitten im Alltag, mitten in der Schule und bei der Arbeit, mitten im Spiel und in schweren Stunden. Dazu braucht es mindestens einen Menschen, der mit dem Herzauge sehen kann und die anderen darauf aufmerksam macht, dass Gott in Jesus bei uns ist. Deswegen sage ich im Gottesdienst oft: „Der Herr sei mit euch!“, das bedeutet: Er ist da!, umso mehr, wenn wir im Gottesdienst gemeinsam Antwort geben.

Liebe Eltern, das ist auch Ihre ureigene Aufgabe, Ihren Kindern Gott immer neu anzusagen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass Gott in Jesus da ist.
Sie werden spüren, dass dann in den Kindern ihr ureigener Glaube geweckt wird. Gottes Werk ist es dann, dass Ihre Kinder dann weitergehend auf Jesus hören und ihn erkennen und an ihn glauben.

Würden wir auf der weiten Welt mehr auf Jesus hören und auf ihn schauen, gäbe es bald für alle mehr als genug. Deswegen ist es so wichtig, möglichst vielen Menschen die Botschaft Jesu Christi nahe zu bringen, damit die Menschen auf die Stimme der Liebe hören und mit dem Herzen sehen lernen.

Das Gegenteil ist blinder Egoismus: Ich will alles, möglichst viel und möglichst sofort für mich allein. Das macht einsam. Wer aber Jesus nachfolgt, der kann alle Mitmenschen aus einem liebevollen Herzen heraus erkennen und gönnt ihnen alles, was es gibt, ja, alles, was Gott gibt, alles, was Gott durch Jesus gibt.

Die Jünger haben damals aus der Hand Jesu Brot und Fisch bekommen. Das war für sie das Zeichen, dass Jesus für immer bei ihnen bleibt. Wer das Brot Jesu isst, wird seine Liebe nie vergessen. Wenn ihr die Heilige Kommunion empfangt, bleibt er in eurem Herzen gegenwärtig. Ihr bleibt mit ihm herzlich verbunden und euer Herz bleibt hörend und sehend.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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