Predigt am Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit, Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 30. Mai 2010


Lesung:        Röm 5,1-5
Evangelium:    Joh 16,12-15

Unaufhörliches Pfingstfest


Heute möchte ich ein „Wörtlein“ mit Ihnen reden. Dieses Wörtlein heißt: „und“.
Für gewöhnlich ist es ein normales Binde-Wort: Es verbindet.
Es ersetzt ein Komma und zeigt an, dass etwas oder jemand zusammengehört, zum Beispiel Ulrike und Waldemar. Das Besondere zwischen diesen beiden steckt in dem kleinen Wörtlein „und“. Sie sind verliebt und verlobt und verheiratet. Das ging ganz schön nacheinander.
Aber dieses Nacheinander geschah in der Auswirkung des Ersteren, nämlich der Liebe. Die Liebe hat das provoziert, also aus dem anderen „herausgerufen“ oder „herausgeholt“, zwar eins nach dem anderen, aber doch aus einer ersten Quelle, die zugleich gemeinsam ist. Die unverfügbare absolute Quelle der Liebe hat die relative Quelle der Liebe in Ulrike und Waldemar zum Sprudeln gebracht.

Wir können die unverfügbare absolute Quelle der Liebe und des Lebens auch Gott nennen. Man kann sich Gott nicht vorstellen, er ist unvorstellbar groß: Gott ist groß. Dieser Überzeugung sind alle monotheistischen Religionen: Juden, Christen und Moslems.
Aus christlicher Perspektive hat nun Gott den Sohn gesandt und das Ewige Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Im Gegenüber zu den Menschen und auf Augenhöhe zu den Menschen hat er sich gemeinsam mit ihnen an den Brunnen gesetzt. Der Messias hat bei seiner Arbeit „g’schaffet wie ein Brunnenputzer“. Wie bei der Samariterin am Jakobsbrunnen hat er den Menschen alles gesagt, so dass er bei den Menschen Erstaunen und offene Verwunderung erzeugt hat.
Jesus hat in den Menschen, zu denen er gesprochen hat, den Brunnen offengelegt, der in seiner Tiefe von Gott herkommt. Jesus hat den Zugang aufgetan zum Grundwasserstrom der Liebe und Wahrheit. Von diesem Grundwasserstrom aus Liebe und Wahrheit ist die Welt umfangen und zugleich getragen. Darin leben, bewegen wir uns und sind wir.

Im Erdboden strömt das Grundwasser. Wir bekommen es nur durch Brunnen außer dort, wo es offensichtlich zu Tage tritt. Lösende und erlösende Pastoral hat nun die Aufgabe, im Auftrag Jesu und mit seiner Hilfe den Menschen ihren eigenen Brunnen freizuschaufeln. Da muss man schaffen wie ein Brunnenputzer!
Ist der Brunnen freigelegt, vermag er die Menschen miteinander zu verbinden wie kommunizierende Röhren. Nur Liebe und Wahrheit vermögen die Menschen wirklich und wirksam miteinander zu verbinden; Liebe und Wahrheit kommen aus den Tiefen Gottes als ewiger und nie versiegender Quell. Liebe und Wahrheit umfangen die Welt, wie „unermesslich“ sie auch sein mag.

Wie „gering“ nun der Mensch auch sein mag, er besitzt einen Brunnen, aus dem Liebe und Wahrheit strömen können. Aber es fehlt noch etwas!

Wir haben gefeiert: Weihnachten und Ostern und Pfingsten, eins nach dem anderen, aber in wesentlicher Bezogenheit zueinander. Der Vater hat den Sohn gesandt – wir haben die Geburt Christi gefeiert. Der Sohn hat am Ölberg gebetet: „Vater, dein Wille geschehe!“ Dadurch ist Ostern geworden. Der Auferstandene hat den Jüngern geoffenbart, was Auferstehung bedeutet. Danach ging er heim zu Vater, was wir mit Himmelfahrt bezeichnen. Anschließend haben wir gewartet bis Pfingsten, bis Er kommt!
„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.“

Und „Er“ ist gekommen. So können wir „nach“ Pfingsten das Fest der Einigkeit Gottes feiern. Die Kraft aus der Höhe herab ist zugleich die Kraft aus der Tiefe herauf ins menschliche Herz hinein – wie der Apostel Paulus sagt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5).

Der Heilige Geist als Gabe sagt, was er vom Vater hört und nimmt von dem, was Jesus Christus gehört und verkündet es uns. Von daher können wir Gott loben und preisen: Ehre sei dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Durch diese andere Formulierung wird klar, wie das Bindewort „und“ gemeint ist, denn wir beten ja: Dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist sei die Ehre! Es ist die innere wesentliche Verbindung des einigen Gottes, des dreieinigen Gottes.

Durch die Kraft des Heiligen Geistes vermag nunmehr der Brunnen in uns zu sprudeln; er beginnt zu sprudeln und hört nicht mehr auf, dies zu tun, weil Jesus vom Himmel her dies bewirkt. Der sprudelnde Quell in uns lässt uns die dreieinige Verbindung zwischen Himmel und Erde erkennen und bewirkt die dreifaltige Verbundenheit mit Mitmensch und Natur.

Nun habe ich also, liebe Gemeinde, das Wörtlein „und“ mit Ihnen geredet.
„Es“ sprudelt nicht umsonst in uns! Es war und ist und bleibt Pfingsten, denn Gott gibt den Geist unbegrenzt“ (Joh 3,34).


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

 

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