Predigt am 10. Sonntag im Jahreskreis C


Schwäbisch Hall 06.Juni 2010

Lesung:        1 Kön 17,17-24
Evangelium:    Lk 7,11–17

Einleitung

Die Erde ist rund, also ist auch das Irdische eine runde Sache – rund und schön – wenn da der Tod nicht wäre.
Im Sterbenmüssen scheint der Mensch aller seiner Lebensmöglichkeiten beraubt zu werden – wenn da nicht Jesus wäre.
Die Botschaft des heutigen Sonntags ist die, dass der lebendige Gott dem Menschen über den Tod hinaus Lebensmöglichkeiten eröffnet.


Ansprache:    Er-holung ins Leben


Nicht wahr, als wir heute Morgen aufgestanden sind, haben wir gegen die Schwerkraft „gearbeitet“. Das fällt nicht immer leicht.
Am Sonntag – immer wieder sonntags – entscheidet es sich, ob wir genug Kraft haben, uns zu erheben und in den Tag hinein aufzuerstehen.
Heute Morgen hat es uns das aufgehende Sonnenlicht leichter gemacht. Vor zwei Wochen war es der Gedanke in den Urlaub wegfahren zu können. Für diese Erholung sind manche sogar ganz früh aufgestanden.

Sind wir aber nicht heute Morgen auch zur Er-holung aufgestanden und hierher gekommen?!
Er holt uns – und gibt die Lebenskraft zurück! Für viele „kleine und manch große Tode“ brauchen wir Er-holung. Jemand sagte: „Der Mensch muss viele Tode sterben, um zu leben!“ Aber derjenige, der uns aus den „tödlichen Liegenschaften“ aufrichtet, ist immer – ist Gott sei Dank! – derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.

Die tödlichen Liegenschaften sind ganz vielfältig – es sind verschiedene Arten von Krankheiten, für die es nur eine Gesundheit gibt, die Leib und Seele ganz macht.
„Der bzw. dem fehlt etwas“, sagt man als Außenstehender. Manchmal fehlt der Seele mehr als dem Leib. Führt deshalb der Weg zur Erholung des Leibes in die Gesundheit vor allem über die Seele!

„Tödliche Liegenschaft“ ist zum Beispiel auch eine berufliche Sackgasse, wenn man keinen Ausweg mehr sieht; wenn man sich als „berufliche Leiche“ schon abtransportiert sieht, etwa in die Arbeitslosigkeit.
Viele gesellschaftliche Tode sind die vielfältigen „Beziehungstode“, unter deren Umständen dann viele mitleiden müssen, vor allem Kinder.

Das Sterben der Umwelt liegt nicht an der Natur und ihren Gesetzen, sondern das Tödliche für die Umwelt liegt in den Menschen, denen die Einsicht fehlt in den Zusammenhang von Mensch und Umwelt. Menschen können schuldig werden, weil sie so lange fahrlässig handeln, bis die Katastrophe da ist.
Ich glaube, das ist dem Herrgott nicht „egal“. Deswegen ist es auch nicht „egal“, was wir heute tun. Sondern: Ich glaube – und dabei bin ich mir Ihrer Zustimmung sicher – wir glauben, Gott hat Mitleid mit uns. Gott ist sympathisch. Er hat Sympathie für die Erde, für die Menschen, für dich und mich.

Diese Sympathie Gottes für uns ist die Person Jesus Christus. Er ist die uns von Gott gegebene alleinige Ansprechperson für die Auferstehung. Er ist die Erholung aus den vielfältigen tödlichen Liegenschaften.
Denn er ist mit göttlicher Vollmacht ausgestattet. Er handelt per Prokura.

Zuerst fasst er die Bahre des Jünglings an. Er zeigt damit, dass er Herr ist über die tödlichen Rahmenbedingungen, die uns zum Erliegen gebracht haben. Er, Jesus, vermag sie in ihrer Endgültigkeit aufzuhalten.

Und dann können wir von Jesus lernen, wie Erholung ins Leben geht. Er spricht im Gegenüber den Jüngling direkt an. Auf diese Weise wird es ein Befehl von Gott her, dem sich nichts und niemand zu widersetzen vermag. Die Stimme des Lebens muss auf den Menschen direkt gerichtet sein.
Darin sind wir uns einig, liebe Mitchristen, einig mit der Ansprechperson für das Leben von Gott her, dass die Zusage des Lebens und die Aufmunterung zum Wiederaufleben und die Ermutigung des Lebens direkt auf den Kopf des Menschen zugesagt sein muss, damit die Stimme des Lebens ihr ganzes Echo im Menschen findet und ihre ganze Wirkung entfalten kann.

Das ist Er-holung pur. Jesus holt uns zurück in den Bereich des Lebens, für den wir von Gott vorgesehen sind.
Den Bereich des Lebens können wir auch mit „Himmel“ bezeichnen. Jesus vermittelt uns diesen Himmel. Er hat der Witwe den Himmel zurückgegeben und diese hat sich himmlisch gefreut. Denn sie hat ihren Sohn wieder zurückbekommen und auch sie hat nun ihre Lebensmöglichkeiten wieder. Ohne Angehörige war eine Witwe damals abgeschrieben.

Liebe Mitchristen, so ist uns nun eine Adresse genannt, die uns den „Himmel auf Erden“ geben kann. Jesus vermag uns das zurückzugeben, was zu uns gehört; und in der schlussendlichen Auferstehung werden wir alles haben, was zu uns gehört: Erinnerungen, Beziehungen, Angehörige … Im ordentlichen Haushalt Gottes geht nichts verloren und er vermag alles gut aufzubewahren, um es uns in gewandelter Gestalt zurückzugeben, weil es zu uns gehört.

Was aber machen wir heute gegen die tödlichen Liegenschaften, die wir vorfinden? Lassen Sie uns einig sein mit Jesus und durch ihn und mit ihm und in ihm gegen die Schwerkraft des Todes arbeiten. Sagen wir den Mitmenschen direkt ins Gesicht: „Im Namen Jesu Christi: Steh auf!“

Gerade heutzutage gibt es durch die Medien viele Möglichkeiten, die Stimme für das Leben zu erheben. Oft reicht nur eine einzige Person, die mit ihrer Stimme positiven Widerhall in den Herzen der Mitmenschen erzeugt. So kann daraus eine Bewegung für das Leben entstehen.

Fassen wir mit an, die Umstände tödlicher Liegenschaften zu beseitigen. Seien wir zueinander christ-lich sympathisch! So wird sich mit Gottes Hilfe unser Klagen in Tanzen verwandeln.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

 

zurück