Predigt am Hochfest des Leibes und Blutes Christi – Fronleichnam, Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 3. Juni 2010 (bzw. 07.Juni 2007)


Evangelium: Lk 9,11b-17

Kon-Zentrum


Liebe Mitchristen,
es kann schon mal sein, dass ein Versicherungsvertreter zu Ihnen nach Hause kommt; bei allem, was er redet, wird er schließlich einen Vertrag vorlegen und mit dem Kugelschreiber auf wichtige Passagen zeigen. Das ist anschauliche Gesprächsführung. Damit Sie aber eine ganz wichtige Stelle im Text nicht übersehen, sondern da genau hinschauen, wird er diese Stelle durch einen Kreis hervorheben.

Mit dem heutigen Fronleichnamsfest hat sich ebenfalls ein Kreis geschlossen: Und wir alle bilden jetzt gleichsam einen großen Kreis um die wichtigste Angelegenheit der Welt: Jesus in unserer Mitte. Das ist unsere wichtigste Lebensversicherung; ja, er ist überhaupt die Versicherung unseres Lebens bei Gott, unserem Vater!

Wie wir nun die Frohe Botschaft Jesu gehört haben, geht es dem Herrn darum, die Menschen wirklich satt zu machen. Ja, der Herr will und vermag uns wirklich satt zu machen, er allein vermag wirklich unsere Sehnsucht nach Gott zu stillen, weil er Gott ist.
Er will uns satt machen, aber nicht ohne unseren Beitrag! Ganz klar lautet der Auftrag an die Zwölf: Gebt ihr ihnen zu essen! Diese machen nunmehr eine Bestandsaufnahme: fünf Brote und zwei Fische. Das reicht aus für alle, weil Jesus bei ihnen ist. Weil die Jünger tun, was er ihnen sagt, geschieht das Wunder der Sättigung.

Liebe Mitchristen, was können wir heute tun als Kirche miteinander und füreinander, damit solche Wunder der Sättigung geschehen können?!
Ich möchte es ihnen zeigen –  und stelle die Monstranz auf die Mitte des Altars.
Mit diesem Zeigegerät, mit dieser Monstranz, können wir uns besser auf Jesus konzentrieren. Es ist die Monstranz von St. Markus und diese besteht in ihrer Gestaltung aus drei Kreisen, die unser Auge kon-zentrieren!

Bei allem, was in der Kirche und in unserem Leben gesprochen und „getextet“ wird, gilt es, das eine Wichtigste nicht zu vergessen: Jesus ist unsere Mitte! Er ist wirklich und wahrhaftig da. Er ist sogar leibhaftig gegenwärtig. Durch die Feier der Eucharistie wird Jesus leibhaftig gegenwärtig im Sakrament, damit wir ihn, den Herrn des Lebens, leibhaftig empfangen können. Ohne diese Hochform des Gottesdienstes „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ wäre unsere Sättigung nicht vollständig.

Aber da nun zuerst das Ohr mit Gottes Wort gesättigt wird und dann der Mund den Leib und das Blut Christi verkosten darf, so will auch das Auge vollständig satt werden.
Ist das nicht ein hoffnungsloses Unterfangen? Im Buch Kohelet steht: „Nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet.“ (Koh 1,8). Solcherlei Pessimismus ist durch Jesus Christus abgelöst. Seine Zuwendung zu den Menschen macht wirklich für immer satt und das gilt auch fürs Auge.

Liebe Mitchristen: Im Auftrag Jesu begehen wir sein Gedächtnis und stellen anschließend seinen Leib aus. Es ist das Sakrament der Eucharistie in der Gestalt der Hl. Kommunion. In der konsekrierten Hostie ist der Heiland der Welt ganz und gar, wirklich und wesentlich real gegenwärtig – diese hoheitliche Aussage entspricht der Majestät Christi und seiner Hingabe an Gott.

Mit „weniger“ dürfen wir uns, liebe Mitchristen, als „Verbraucher“, als Konsumenten, niemals zufrieden geben. Sonst kann das Wunder der Sättigung nicht wirklich geschehen. Aber dass alle Menschen satt werden, das vermag allein Gott zu bewirken, er tut es durch Jesus und mit unserem Beitrag.

Damit wird klar, dass das Zeigegerät, die Monstranz, und ihr vielfältiger Schmuck eine Hohlform bliebe, wenn nicht der in der Eucharistie real gegenwärtige Herr ihre Mitte ausmachte. Und in dieser göttlichen Verborgenheit können wir gemeinsam auf ihn schauen und uns vergewissern: Es ist der Herr!!

Und wir dürfen uns gegenseitig versichern: Er ist da!! Hilfreiche Wegweisung besteht dann darin, unsere Mitmenschen und Mitchristen auf Jesus zu kon-zentrieren: deswegen unser Kreis um Jesus, deswegen die Kreise auf der Monstranz!
Wir werden geführt, unser Auge wird hingeführt und kon-zentriert, auf Jesus zu schauen. Die Kirchenväter haben die Eucharistie als Pharmakon bezeichnet, als Heilmittel für die Seele, das gilt insbesondere auch für das Auge.

Machen wir ein Experiment: Wir setzen uns eine Stunde vor den Fernseher und eine Stunde zur Anbetung vor den Herrn. Dann vergleichen wir und können erfahren: Auf dem Fernseher erscheinen viele Nachrichten und Bilder und sind dann auch schnell wieder verschwunden.
Alternativ anders ist die Erfahrung bei der Anbetung: Vor dem ausgesetzten Allerheiligsten bewirkt der „Schauprozess“ in uns eine erfüllte Ruhe, Stille und Glück. Denn all die Gedanken und Erinnerungen, die uns bewegen, kommen in die Gegenwart des Herrn und werden gewandelt, gelöst und erlöst, weil Gott als Gott für uns da ist. Und das Auge wird satt und geheilt, denn das innere Auge wird nunmehr fähig, die bleibende Gegenwart Gottes in uns und in unserem Leben zu erkennen.

Diese Erkenntnis ist nunmehr wesentlich verbunden mit der Einsicht, dass Jesus als Mitte der Gemeinde das Wenige für die Vielen vermehrt zu einer Sättigung, die für immer stillt.
Deswegen heißt die Aufgabe für heute: im Vertrauen auf Jesu Wort im Kontext des Lebens immer wieder neu einen Kreis um Jesus ziehen und uns damit auf Jesus zu kon-zentrieren. In der heiligen Mitte finden wir den Immanuel, Jesus für uns, der als Gott für uns da ist und Hunger und Durst für immer stillt.

Doch zieht den Kreis nicht zu klein, wir können Jesus nicht für uns behalten: Wir möchten ihn aller Welt zeigen.
Die Erkenntnis, dass Jesus in unserer Mitte ist und zugleich in uns, bringt uns in Bewegung. Diese Glaubenserkenntnis ist der Grund für unsere Demonstration.

Ihr Leute, wir möchten euch versichern: Schaut auf Jesus!
Er ist da für euch! Er ist da für uns! Er ist da für die ganze Welt!
Verliert ihn nicht aus den Augen! Behaltet ihn im Auge, so bleibt er in euch und ihr bleibt in ihm!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

 

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