Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 13. Juni 2010


Lesung: 2 Sam 12,7 – 10.13

Evangelium: Lk 7,36 – 8,3


Jesus erkennt und bestätigt
das Wirken Gottes,
seines Vaters

In den letzten Wochen haben wir ja genug Wasser von oben bekommen.

In den Hauptwachstumsmonaten Mai, Juni und Juli braucht die Natur das kostbare Nass. Für unsere Zimmer- und Balkonpflanzen nehmen wir zusätzlich etwas Dünger. Auch die Land- und zum Teil die Forstwirtschaft gebraucht verschiedene Düngemittel. Diese fördern vor allem ein schnelleres Wachstum.

Auch wir Menschen benötigen zum Wachsen viel, viel Zeit. Auch wir kommen ohne Wasser nicht aus. Was aber ist für uns Menschen gleichsam wie der Dünger?

Ist es nicht jenes Wort: Deine Sünden sind dir vergeben!?

Nichts anderes gibt einem Menschen so sehr wieder die Lebenskraft und den Lebensmut zurück als dieses eine Wort Gottes: Deine Sünden sind dir vergeben!

Dieser „Dünger“ unseres Lebens wirkt allerdings nur und „zieht nur dann ein“, wenn er von Gott kommt!

Nicht wahr, das bestätigen wir alle, dem können wir zustimmen: Gott kann Sünden vergeben.

Schauen wir einmal genau hin, wie sich das im Haus Simon des Pharisäers abspielte.

Jesus nimmt die Einladung des Pharisäers an; das macht ihn schon mal sympathisch.

Jesus nimmt aber auch das Verhalten der Frau an; das macht ihn noch sympathischer.


Und dann gefällt mir etwas besonders: dieses Wort „Simon, ich möchte dir etwas sagen!“ Dieses Wort können wir jetzt persönlich nehmen und auch auf uns beziehen.

Diese Erklärung mit den zwei Schuldnern spricht für sich!

Doch dann lädt Jesus den Simon ein, genau hinzuschauen und wahrzunehmen.

Diese Frau zeigt Jesus Reue und Liebe, daraus wird die so genannte Liebesreue. Sie ist Voraussetzung für Vergebung.

Diese Liebesreue, Reue aus Liebe, kann nur Gott gewirkt haben, denn die Liebe hat nur eine Quelle, Gott selbst.

Jesus erkennt das Wirken Gottes, seines Vaters, in diesem Menschen und macht den Simon darauf aufmerksam.

Zugleich können wir erkennen, dass diese Frau, als sie von Jesus erfuhr, von Gott zu Jesus hin „bewegt“ worden ist. Deswegen kann Jesus das Verhalten dieser Frau auch zulassen.


Jetzt sind wir aber auch an dem Punkt, dass wir zustimmen, dass jetzt die Frau das Wort der Vergebung braucht. Nur dieses verbindliche Wort aus dem Munde Jesu vermag das Wirken Gottes in ihr zu bestätigen: Deine Sünden sind dir vergeben!

Ihr Verhalten war zunächst wie das Sündenbekenntnis des David: Ich habe gesündigt!


Doch dann kommt das konkrete Wort der Vergebung: Wir erkennen in diesem Vorgang die Grundstruktur der Beichte: Reue, Sündenbekenntnis und Zusage der Vergebung. In der Beichte geht es nicht darum, das Sündenbekenntnis zu kommentieren, sondern die Reue aus Liebe zu Gott festzustellen und das konkrete Wort der Vergebung zugesagt zu bekommen. Dass Gott vergibt, dass Gottes Vergebung gilt und für immer gültig ist, das kann ich nur dann für mein Leben effektiv wahrnehmen, wenn es mir auf den Kopf hin zugesagt wird und ich mich dabei auf einen konkreten Menschen berufen kann. Bei David war es Natan, der Prophet Gottes, bei der Frau war es Jesus, der Menschensohn, bei uns ist es ein Christ im Auftrag des Christus.


Daraus ergibt sich die Hochform der Vergebungszusage durch den dafür geweihten Priester. Er ist im Auftrag der Kirche, ja im Auftrag der Sendung Jesu, dazu bestellt, den Menschen das konkrete Wort der Vergebung ganz persönlich zuzusagen. Wer wachsen will, „braucht“ das!

Vergebung, die von Gott kommt, wirkt wie Dünger für die Seele!

Für David hieß das: Du wirst nicht sterben.

Für die Frau hieß das: Geh in Frieden!

Für uns heißt das: Blühe auf, lebe auf, wachse weiter, bring Frucht, liebe und vergib! Und sage es! Werde sympathisch wie Jesus!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 


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