Eucharistiefeier am 14. Sonntag im Jahreskreis C


Schwäbisch Hall, 4. Juli 2010


Kyrie

Um deine Stimme geht es, sie zu vernehmen. Kyrie eleison.
Um dein Wort geht es, es zu befolgen. Kyrie eleison.
Um deine Hingabe geht es, sie nachzuahmen. Christe eleison.
Um deine Eucharistie geht es, sie zu verkosten. Christe eleison.
Um deine Liebe geht es, sie zu beantworten. Kyrie eleison.
Um dein Reich geht es, es anzusagen. Kyrie eleison.


Lesung: Gal 6,14-18

Evangelium:
Lk 10,1-9

Predigt

Größere Verbundenheit


Liebe Mitchristen!

Es fällt auf, dass es heißt: „Das Reich Gottes ist euch nahe!“ Es heißt nicht: Das Reich Gottes sei euch nahe!

Zwar begrüßen wir uns immer am Anfang des Gottesdienstes: „Der Herr sei mit euch“, aber dieser Wunsch hat das Ziel, dass wir spüren, der Herr ist jetzt mitten uns. Gleichzeitig bekomme ich als Priester die Antwort: „Und mit deinem Geiste!“ Dieser Wunsch hat das Ziel, dass auch ich spüre: Der Herr ist mit mir. Diese Begrüßung bringt eine lebendige Verbundenheit zum Ausdruck, die jeweils in der Versammlung der Gemeinde aktualisiert wird.

Wir versammeln uns also, um die Gegenwart des Herrn füreinander anzusagen und einander zu vermitteln. Aus dem Dabeisein erwächst die Bereicherung für den persönlichen Glauben.

Der subjektiv persönliche Gott, den ich mir je nach Lebenssituation zurechtlege, erfährt seine Korrektur durch die objektive Botschaft des Evangeliums: „Das Reich Gottes ist euch nahe!“

Diese Ansage gilt allen Menschen. Die Wirklichkeit des Reiches Gottes in Christus wird allen Menschen frei und gratis zugesagt und zwar als bleibende Realität, die nicht mehr zurückgenommen wird. Das ist der neue Grund, auf dem wir stehen, und das ist der neue Horizont, der sich über uns öffnet.

Seit der Zeit, als der Herr die zweiundsiebzig Jünger ausgesandt hatte, gibt es eine ununterbrochene Folge von Verkündigung, welche die Welt nach Gottes Willen „heimsucht“. Verzeihen Sie mir den Ausdruck, er wird heutzutage eher negativ gebraucht. Wir haben aber am vergangenen Freitag das Fest Mariä Heimsuchung gefeiert. Dieser Name bedeutet, dass Maria durch die Gnade Gottes „heimgesucht“ wurde und heimgefunden hat. Sie konnte nach Hause kommen in das Geheimnis Gottes. Was Gott mit ihr vorhatte, konnte Wirklichkeit werden, weil Maria zu sich selbst und zu Gott heimgefunden hatte. Das heißt, sie konnte ihrer Berufung folgen, Mutter Gottes zu werden – mit aller Konsequenz.

Vermutlich ist Konsequenz in Verbindung mit Gnade die richtige Voraussetzung für die Fruchtbarkeit der Verkündigung. Schauen wir einmal auf die Sache mit dem Frieden. Die Jünger sollen als erstes sagen: „Friede diesem Haus!“ Wenn dieser Wunsch ankommt, weil dort schon ein Mann des Friedens wohnt, verstärkt sich die göttliche Gabe, denn dann „wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen“. Die Botschaft des Friedens wird zwischen Bote und Adressat mehr Wirklichkeit, als sie vorher war.

Weil nun die göttlichen Gaben unwiderruflich sind, ist auch die Botschaft vom Reich Gottes unwiderruflich. Es breitet sich unaufhaltsam aus und ist deswegen auch bei uns angekommen. In diesem Sinn können wir Jünger füreinander sein – wie die Zweiundsiebzig damals. Das Hören von Gottes Wort in der Versammlung der Gemeinde bzw. im Gottesdienst ist also ein unumkehrbarer Vorgang, der in uns das göttliche Leben auf Vordermann bringt. Wobei die Ansage dessen, was Gott will, Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, bei jedem ganz individuell ankommt, aber wenn wir Männer und Frauen der Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und der Liebe sind, wirkt sich das aus. Deswegen brauchen wir ständig die „liebevolle Beschallung“: Das Reich Gottes ist euch nahe! Der Herr sei mit euch! Friede sei mit euch!

Dadurch kommt das Angesagte in die Auferstehung als Kraft für unser Leben. Das Geschenk jedes Gottesdienstes ist also eine große Verbundenheit, welche die augenblickliche Situation übersteigt. Damit die angesagte Wirklichkeit im Hörer ankommt und in ihm zur Wirklichkeit aufersteht. Christliches Sorgen geschieht, indem wir die Wirklichkeit des Reiches Gottes einander ansagen, so dass sie im anderen ankommt, und in ihm umso mehr zur Wirklichkeit aufersteht, weil diese Wirklichkeit schon in ihm vorhanden ist. Aber nur so kann das, was schon ist, noch mehr werden zu dem, was Gott will.

Die Wirklichkeit Gottes soll die unsere werden, indem wir sie hören, annehmen und aufnehmen, und wir damit schon jetzt in Gott immer mehr eins werden.

Die Konsequenz unseres ganzen Lebens gehört dieser Botschaft: „Das Reich Gottes ist euch nahe!“


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall
 

Fürbitten


Lebendiger Gott, in der Gemeinde steckt das Geheimnis vom Reich Gottes!

In deinem Sohn ist es bleibende Wirklichkeit geworden, die Wirklichkeit des Guten, Heilen und Ganzen aus dir. Deshalb bitten wir dich:

- Lass uns deine Gegenwart in deinem Sohn Jesus Christus erfahren und dadurch die Nähe deines Reiches spüren.

Wir bitten dich, erhöre uns.

- Lass uns einander Ansager deines Reiches sein, damit jeder Mitmensch und Mitchrist seine Berufung erkennt.

- Schenke uns die feste Zuversicht, dass dein Reich in seiner Vollgestalt einmal unsere ganze Zukunft sein wird.

- Gib unserer Gemeinde das feste Vertrauen, dass sie auch mal Erholung von Aktivitäten braucht, damit in Geduld Neues wachsen kann.

- Schenke allen Kranken und Pflegebedürftigen deine heilende Kraft und deinen Beistand.

Gott, unser Vater, du bist unter uns zugegen und offenbarst dich in deinem Sohn Jesus Christus. Wir danken dir für die Danksagung durch ihn, der mit dir lebt in alle Ewigkeit. Amen.

 

 

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