Eucharistiefeier zum 50-jährigen Patrozinium der Kirche St. Peter und Paul

Rosengarten-Westheim, 4. Juli 2010


Einführung

Liebe Gemeinde St. Peter und Paul,


mit dem heutigen Festtag schauen wir auf die Wegstationen unserer Kirche. Nachdem die Vertriebenen und Flüchtlinge hier in Westheim eine neue Heimat gefunden hatten, war es ihnen ein großes Anliegen, auch dem Herrn ein Haus zu bauen.


Das Bauwerk wurde zum Symbol für die mitgebrachte Glaubenstradition. Menschlich gesehen gilt immer: Ohne Herkunft keine Zukunft! Der Blick geht auch nach innen, geht ins Herz, von wo aus der Mensch für seinen Gott aufsteht und zu singen beginnt. Deshalb begrüße ich herzlich den Kirchenchor, der uns heute den Gottesdienst mitgestaltet. Nichts macht den Menschen größer, als wenn er Gottes Größe anerkennt und aus ganzem Herzen zu singen beginnt.


Viele erinnern sich an die damalige Zeit, wo doch jeder engagiert angepackt und beim Kirchenbau mitgeholfen hat. Ich danke allen, die sich während der 50 Jahre für die Gemeinde engagiert haben. Vergelt’s Gott!


Es ist mir ein persönliches Anliegen namentlich zu nennen: Herrn Alfons Hauber, der über 30 Jahre als Kirchenpfleger diese Kirche betreut hat und heute gern dabei gewesen wäre, aber leider gesundheitlich verhindert ist.

Besonders freut es uns, dass die früheren Pfarrer Ludwig Beitel und Albert Schmid gekommen sind, um mit uns zu beten und zu feiern. Auch der ehemalige Pfarrer Hans Ruf hat mir geschrieben mit herzlichen Grüßen, er kann aber leider aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen.

Dekan Giancarlo Aldrighetti lässt herzliche Grüße ausrichten und er wünscht uns einen schönen und gelingenden Festtag; er ist ebenfalls verhindert.


Halten wir miteinander fest an der Zusage: Gott wird das Gute, das er begonnen hat, auch vollenden. Feiern wir unseren Glauben im Hören auf das Wort Gottes und im Mahl der Vermählung mit Gott.

 



Schrifttexte vom Hochfest Peter und Paul

Lesung: 2 Tim 4,6-8.17-18

Evangelium: Mt 16,13-19


Predigt

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Liebe Mitchristen von Westheim,

dieser Frage Jesu haben Sie Antwort gegeben durch den Bau dieser Kirche St. Peter und Paul. Sie bedeutet den Anschluss an das Messias-Bekenntnis des Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Demzufolge erreicht uns auch die anschließende Seligpreisung Jesu: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“


Wer von uns kann schon sagen, wie er zum Glauben gekommen ist! Es gibt natürlich Begleitumstände, wie etwa das Elternhaus und die Gemeinde vor Ort. Aber es sind bestimmt nicht die Maßstäbe dieser Welt. „Fleisch und Blut“ meint die Koordinaten unserer irdischen Existenz, etwa dass wir 50 Jahre alt geworden sind. Jeder, der heute mitfeiert, ist mindestens so alt wie diese Kirche. Stimmt nicht ganz, werden Sie sagen, aber jeder, der sich zu Christus bekennt, wie alt ist der denn?

Unser Glaubensbekenntnis ist 2000 Jahre alt – plus 10! Also gut, wie „alt“ sind wir dann als Glaubende? Drehen wir es einfach um und nennen es so: Im Glauben an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, sind wir schon 2000 Jahre jung und Jünger. Schauen wir nach vorne, werden wir also nicht älter, sondern Jünger, denn in der Jüngerschaft Jesu Christi ergibt sich eine große Verbundenheit, die über den Augenblick hinausreicht – hinausreicht „vom Start bis Gott“!


Schauen wir auf den reichen Fischfang, hier oben im Fensterbild, dann sehen wir, wir befinden uns im gleichen Netz. Wir sind im Glauben miteinander vernetzt – und Petrus übt seinen Beruf auch noch heute aus. Im Auftrag unseres Herrn hatte er begonnen, Menschen zu fischen und obwohl das Glaubensnetz so voller Fische ist, hält es uns bis heute in der Gemeinschaft der Glaubenden zusammen.

Wie jeder weiß, haben Petrus und Paulus in der Ausführung ihres Auftrags ihr Leben hingegeben. Der große Gewinn für sie und uns ist das Leben in Christus, der sich beiden als der Auferstandene geoffenbart hatte. Im anderen Fensterbild ist dargestellt, wie Paulus vom Pferd stürzt. Er hörte die Stimme: „Ich bin Jesus, den du verfolgst!“ Nach dieser Begegnung bekennt er aufrichtig und verkündet in den Synagogen: „Jesus ist der Sohn Gottes!“ (Apg 9,20). Seine Briefe an die Gemeinden wurden maßgeblich für die Christenheit.

Beide Apostel wurden vom Auferstandenen beauftragt, sein Werk zu tun. Beide hatten eine ganz unterschiedliche Lebensgeschichte und beide waren von ihrem Charakter her sehr gegensätzlich. Aber genau deswegen hat der Herr sie in seinen Dienst genommen, um für uns deutlich zu machen, dass er alle Menschen mit noch so unterschiedlichem Charakter brauchen kann und in Anspruch nehmen will, seine Kirche zu bauen. Kirche bedeutet ja, herausgerufen und aufgerufen zu sein.

Auch Martin Luther war ein Herausgerufener und Aufgerufener, sonst hätte die evangelische Kirche nicht bis heute Bestand gehabt. Demzufolge hat die evangelische Kirchengemeinde in Westheim den Glauben an Christus 500 Jahre lang bewahrt. Wir können dem Herrn nicht vorschreiben, wen er beruft! Aber wir können und müssen davon ausgehen, dass er die Apostel, allen voran Petrus und Paulus, zuerst gerufen und berufen hat. Sie sind die Apostelfürsten!


Was führt uns also zur viel beschworenen Einheit? Nur das intensive und aufmerksame Hören auf die Stimme des einen Herrn. Da wir Menschen auf Sicherheiten bedacht sind und diese auch brauchen, ist uns unverbrüchlich zugesagt, was die Kirche insgesamt betrifft: Sie wird nicht untergehen, wenn sie auf den Grund des bekennenden Petrus baut. Bekennende Menschen sollen wir sein, dann haben wir Zukunft als Kirche für die Welt.

Das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus bringt auch andere mit ins Boot. Überzeugend gelebtes Christsein macht das Christentum attraktiv und anziehend. Und ein selbstbewusster katholischer Glaube vermag auch alles in den Blick zu nehmen – von den Ursprüngen bis in die Gegenwart und in die Zukunft hinein.


Auf das Messiasbekenntnis des Petrus hin gibt Jesus die Zusage: „Du bist Petrus – der Fels – , und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Liebe Mitchristen von Westheim, auf diesen Felsen haben Sie Ihre Kirche gebaut. Ihr Kirchesein hat ganz gewiss Bestand und ist schon jetzt vor Gott ein bleibendes Werk.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall


Fürbitten

Gott unser Vater im Himmel, am heutigen Festtag wenden wir uns voll Vertrauen an dich, der du deinen geliebten Sohn gesandt hast, damit wir in ihm das Leben in seiner ganzen Fülle haben.

Wir bitten dich:


  • Du hast deine Kirche auf das Fundament der Apostel gegründet. Bewahre uns in der Treue zum Ursprung der Kirche.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Dein geliebter Sohn leitet uns als der gute Hirte. Lass uns Hörende sein, wenn er ruft und beruft.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • In der Feier der Eucharistie gibst du dich zu erkennen. Stärke durch dieses Sakrament unsere Einheit mit dir und untereinander.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Du befähigst uns durch deinen Geist, zum Aufbau der Kirche beizutragen. Lass uns mit Engagement und Begabung einander in der Gemeinde dienen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Du hast deinen geliebten Sohn machtvoll aus dem Tod auferweckt. Schenke allen verstorbenen Gemeindemitgliedern Anteil an seinem österlichen Leben.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Barmherziger Gott, du kennst die Regungen und Gedanken unseres Herzens. Du weißt, was uns an diesem Festtag bewegt. Voll Vertrauen legen wir alles in deine gute Hand. Durch Christus, unseren Herrn.

 

 

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