Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 25. Juli 2010


Evangelium: Lk 11,1-13


Ein deutlicher Kontrast ist es, den Jesus da aufbaut, um uns zum Gebet zu ermutigen. „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid.“ Sogar wir geben unter dieser Voraussetzung unseren Kindern Gutes. Also haben wir von Gott umso mehr zu erwarten, da er sowohl absolut der Gute und der Eine ist und wir ihn zudem als Vater Jesus Christi erkennen, als den einen guten Vater im Himmel. In diesem Sinn ist es ein großer Vorteil, „Kind“ Gottes zu sein. Also macht es fast nichts aus, wenn wir böse sind.


In Christus sind wir Gottes geliebte Kinder geworden und als solche sollen und dürfen wir beten und sogar ganz zudringlich werden. Wenn das Wort „Macht“ ganz und gar auf die Seite des Guten zugeteilt werden soll, dann im Zusammenhang mit dem Wort des Evangelisten Johannes: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12).

Es ist die Macht, als Mensch am Gutsein Gottes teilzuhaben und für die Mitwelt und die Mitmenschen durch das ständige Gebet Gutes zu bewirken.

Es sind die Begabungen durch den Heiligen Geist, welche den gesunden Menschenverstand in jeder Hinsicht ergänzen. So hat es das Tagesgebet es auch schön formuliert: „Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen, ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.“

Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, einem Mitmenschen durch „christlich-fachliche Qualifikation“ zu helfen oder zu dienen. Denn das Gebet für jemand eröffnet eine Tiefe der Beziehung zu jemand, die Erde und Himmel umgreift.


Wenn man für einen Menschen betet, beeinflusst das die Beziehung zu ihm. Ich nehme ihn dadurch in den Blick, wie Gott ihn sieht – und in der Folge verhalte ich mich auch so.

Auf diese Weise bewirkt das persönliche Gebet Veränderungen. Es macht einen umso mehr zum Kind Gottes, das in allen Dingen und Angelegenheiten den Himmel bestürmen darf.

Ich darf sogar zu Gott schreien, ich darf sogar vor Gott klagen.


Beten fällt allerdings nicht immer leicht.

Es kann zur Schwerarbeit werden, für einen anderen zu beten, unser Gebet sollen wir auch denjenigen zukommen lassen, die uns Böses wünschen oder Böses tun.

Es kann auch zur Schwerarbeit werden, wenn wir einfach allein vor Gott da sein wollen. Die „Arbeit“ besteht dann darin, ruhig zu werden und sich selbst für das Gebet freizumachen. Außerdem darf man die Dinge nicht gegeneinander ausspielen, sie ergänzen sich wechselseitig: das alleinige stille Gebet zu Hause und das Beten in der Öffentlichkeit beim Gottesdienst.


Die Jünger baten Jesus: „Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.“ Zum Beten gehört also auch die Lernbereitschaft. Ob als Kind, Jugendlicher, jüngerer oder älterer Erwachsener: Lebendiges Beten will wachsen.

Vermutlich fällt uns das Gebet jetzt in der Ferienzeit umso leichter, da in dieser Zeit der Entspannung und Erholung das Dankgebet viel leichter über die Lippen kommt.


Wenn nur schon ihr, die ihr böse seid“ – jetzt „stolpern“ wir nicht mehr darüber. Sondern – es macht nichts – die Tür zum Guten ist in jeder Hinsicht aufgetan. Machen wir uns durch diese Tür des Gebetes auf den Weg zum göttlichen Gutsein.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

zurück