Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 10. Oktober 2010


Lesung: 2 Tim 2,8-13

Evangelium: Lk 17,11-19


Liebe Mitchristen,

einer von zehn, das sind 10 Prozent, die durch Nachdenken zum Danken zurückgekommen sind. Für gewöhnlich ist das in unseren Breiten auch so, dass ungefähr 10 Prozent durch Nachdenken zum Danken hierher in die Kirche kommen.

Aber abgesehen davon – mögen Sie die Zahl dreizehn? Ich finde sie interessant, denn der Vers 13 aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus enthält die wichtige Aussage: „Der Herr ist treu!“

Eigentlich ist das eine „Hauptsache“, was die Eigenschaften Gottes betrifft: Gott ist treu. Wir denken nach und danken Gott für seine Treue.

Wie ein roter Faden ziehen sich die Aussagen über Gottes Treue durch die gesamte Bibel. So steht grundlegend im Buch Deuteronomium:

Ich will den Namen des Herrn verkünden. Preist die Größe unseres Gottes!

Er heißt: der Fels. Vollkommen ist, was er tut; denn alle seine Wege sind recht.

Er ist ein unbeirrbar treuer Gott, er ist gerecht und gerade“ (Dtn 32,3-4).

Vor allem aber kommt in den Psalmen Gottes Treue immer wieder poesiereich zur Sprache:

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

deine Treue, so weit die Wolken ziehn“ (Ps 36,6).

Oder an anderer Stelle:

Du vollbringst erstaunliche Taten, erhörst uns in Treue, du Gott unseres Heiles,

du Zuversicht aller Enden der Erde und der fernsten Gestade“ (Ps 65,6).


Demgegenüber, also der absoluten Treue Gottes gegenüber, verhält sich der Mensch oft wankelmütig.

Der Prophet Jeremia klagt:

Ihr alle seid mir (Gott!) untreu geworden“ (Jer 2,29).

Dem Herrn, deinem Gott, hast du die Treue gebrochen“ (Jer 3,13).

Und ein Psalmwort sagt es so:

Hilf doch, o Herr, die Frommen schwinden dahin,

unter den Menschen gibt es keine Treue mehr“ (Ps 12,2).


Während also Gottes Treue gleichsam die Garantie darstellt für den Fortbestand dieser Welt, macht der Mensch mit seiner Untreue Gott ganz viel Arbeit.

Der Herrgott gewährt der Neu-Ausgabe Mensch, also jedem Menschen, den er ins Leben ruft, seine Treue-Garantie auf Lebenszeit, doch der Mensch verhält sich oft bewusst oder unbewusst gegen die Garantiebestimmungen.

Das sind die Gebote Gottes. Sie wurden gegeben, damit der Mensch „am Leben“ bleibt.

Durch die Gebote Gottes wird unser Leben auf Gott bezogen. Das macht unsere Lebendigkeit aus. Unsere Gottverbundenheit und das Leben im Rahmen seiner Gebote ist das Leben.


Die Treue Gottes durch die Generationen hindurch, Generation um Generation, macht auch indirekt deutlich, dass vom allmächtigen Gott aufgrund seiner Treue eine Jenseits-Garantie ausgehen muss, die für alle gilt: „Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig“ (Lk 20,38).

Ein Psalm ergänzt das: „Gott hält ewig die Treue“ (Ps 146,6).

Allein schon vom Gedanken der Treue Gottes zu seinem Volk lässt sich von der Unsterblichkeit der Menschen reden.


Die Treue Gottes vereint Lebende und Tote, weil sie Adressaten der Treue Gottes geworden sind. Wiederum ein Psalm: „Der Herr ist treu in all seinen Worten, voll Huld in all seinen Taten“ (Ps 145,13).

Und jetzt erlauben Sie mir einen gewaltigen Schlenker: „Und das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14).

Gottes Treue zum Menschengeschlecht hat Fleisch und Blut angenommen. Unüberbietbar und unübertroffen ist das Prinzip der Treue Gottes zu den Menschen überdeutlich geworden.

Dem pflichtet der Apostel Paulus bei: „Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn“ (1 Kor 1,9).

Diese Treue Gottes zu uns hat nur eine Antwort verdient: unsere Treue!


Bleiben wir dem treu, was wir von Gott begriffen haben, sei es mit dem Verstand, sei es mit dem Herzen, sei es auf irgendeine andere Weise, nicht zuletzt durch unsere gemeinsame Glaubenspraxis. Wenn wir mit unserem ganzen Leben Gottes Treue kundtun, kommen wir jetzt schon auf die Seite dessen, dem alles lebendig ist.


Schließlich ist Gottes-Erkenntnis unwiderruflich, wir können nicht mehr hinter das zurück, was wir in der Nachfolge des „Treuen und Wahrhaftigen“ geworden sind (Offb 19,11). Orientieren und gründen wir unsere weiteren Lebensstationen auf diesen Felsen der Liebe und Treue Gottes! Denn wie gehört und gesagt: Er bleibt treu. Gottes Treue bleibt und trägt: die Gemeinde, die Kirche und eine jede und einen jeden von uns in Zeit und Ewigkeit. Dieser Glaube hilft. Ein wunderbarer Segenswunsch lautet deshalb so – und er gefällt mir zu 100 Prozent: „Gott halte Dich in Seiner Treue!“



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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