Predigt am 29. Sonntag im Jahreskreis C

Jubiläum zum 50-jährigen Bau der Kirche St. Mariä Geburt (Bergkirche)

Michelfeld bei Schwäbisch Hall, 17. Oktober 2010


Lesung: Hebr 11,1-2.8-19

Evangelium: Mt 5,13-16


Wir haben eine Lesung gehört, und wir haben richtig gehört: Es handelt sich um den Brief an die Hebräer. Er ist aber auch gleichzeitig der Brief an die Michelfelder bzw. an die Schönwälder und an die anderen Heimatvertriebenen. Als sie hier angekommen waren, haben sie diese Kirche hier noch nicht gesehen.

Mitgebracht hatte aber jede Frau und jeder Mann die Erinnerung an die Kirchen der Heimat und an St. Mariä Geburt in Schönwald. Sie waren dort die Kommunikationszentren. Man lebte eine menschliche Verbundenheit untereinander, die „bis Gott reicht“. Sich im Namen Gottes zu versammeln, ist das Erste und Wichtigste. Die „Unterbrechung“ des Alltags am Sonntag öffnet die Perspektive, dass wir unterwegs sind. Der Gottesdienst am Sonntag macht immer wieder darauf aufmerksam, dass Gott da ist – für uns! Er gibt ein Ziel vor, das wir noch nicht kennen.


Dieses gemeinsame Ziel für alle ist die Stadt auf dem Berg, das himmlische Jerusalem. Sie ist das Bild für die endgültige Heimat. Gott hat für uns eine Stadt vorbereitet. Wir brauchen diese Vision für den Alltag. Sie gibt uns ein Ziel über den Tag hinaus, damit wir gut leben können. Denn dann werden wir immer wieder daran erinnert: Wir brauchen Sinnbilder: in die Augen – in den Sinn! Jesus sagt: „Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.“


Als die Zeit gekommen war, eine eigene Kirche zu bauen, kam der freie Platz auf dem Kiesberg hier in Frage und in den Sinn. Entscheidende Menschen gaben die Idee: der damalige Bürgermeister Edler und Stadtpfarrer Schorp. Diese Auswahl des Platzes hier auf dem Kiesberg leuchtete schnell ein: oberhalb der Wohnhäuser eine Kirche zu bauen als Zeichen für alle, dass Gott da ist, wenn auch auf verborgene Weise.


Jetzt sind wir hier vollends angekommen, und das ist unser Bekenntnis: Liebe Heimatvertriebene, Sie sind weggezogen, ohne zu wissen, wohin Sie kommen würden. Der Glaube an Gott hat Sie getragen, mehr als alles andere. Gott hat es zugelassen, dass Ihnen die Heimat geraubt wurde, aber er hat Ihnen auch eine neue Heimat gegeben.


Jeder Mensch liebt seine Heimat, wo er geboren wurde. Vor allem aber ist es wichtig, zu erkennen, dass der lebendige Gott einen liebt und immer nahe bleibt. Diese Liebe ist so groß und so weit und unaussprechlich, dass wir von ihr nur im Bild eine Ahnung bekommen können: In einer Stadt leben ganz viele Mitmenschen intensiv miteinander. Wir gehen gern „in die Stadt“. Manchmal trifft man in der Stadt Jahrgänger oder Bekannte, die man schon lange nicht mehr gesehen hat, und man verabschiedet sich dann mit „Auf Wiedersehen“ auf ein nächstes Mal.


Wie gut ist es dann zu wissen, dass es eine „bessere Heimat“ gibt, nämlich die himmlische, die Stadt, die Gott für uns vorbereitet hat. Dort gibt es das endgültige und vollgültige Wiedersehen mit denjenigen, die „voll Glauben gestorben sind, ohne das Verheißene erlangt zu haben“. Sie sind durch alle möglichen Umstände schon dort angekommen, wohin wir noch unterwegs sind. Dort, im himmlischen Jerusalem gibt es die ewige Bleibe. Damit wir dies nicht vergessen, wurde diese Kirche gebaut – gleichsam als Stadt auf dem Berg.


Als Glaubende leben wir in der fruchtbaren Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung. Diese Spannung auszuhalten ist uns möglich im Glauben an den Christus, den Gott gesandt hat und der für uns alles ausgehalten hat. In seiner Gegenwart ereignet sich zusehends die Erfüllung der Verheißung. Deswegen geht es in der Gemeinde darum, den gegenwärtigen Christus zu vermitteln. Das ereignet sich schon, wenn einer dem anderen hilft in allen möglichen praktischen Bereichen des Alltags.


Vor allem wurde dies deutlich beim Bau dieser Kirche: Das Ausheben des Fundamentes war Handarbeit, vieles andere auch. Wir helfen miteinander beim Bau der Kirche, auch im übertragenen Sinn beim Bau einer lebendigen Gemeinde, so dass jeder Einzelne Hilfe findet auf seinem Weg zum Ziel, das Gott vorgibt: „die bessere Heimat“, aus der man nicht vertrieben werden kann.


Jeder, der an der Kirche mitgebaut hat, hat damit allen Besuchern einen Lichtblick geschenkt: einen Augenblick für den Ausblick auf Gott hin. Von der Kirche St. Mariä Geburt in Schönwald spannt sich ein großer Bogen bis zu dieser Kirche hier. Er sieht aus wie ein Regenbogen, Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen. Dieser Bund wurde in Christus erneuert, sein Kreuz und seine Auferstehung sind uns „in die Augen, in den Sinn“ gegeben. So wird uns gewiss: Er geht mit uns – wir gehen mit ihm. Gott bahnt uns den Weg durch die Zeit in die ewige Freude seines Reiches. Wir werden ankommen, so wahr einer dem anderen dabei hilft. Gottes Wille ist es, dass wir voll Vertrauen miteinander weitergehen. Gott erwartet uns.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall


Begrüßung

 

Nach 50 Jahren sind wir hier angekommen, und wir schauen zurück in die Bauzeit dieser Kirche St. Mariä Geburt vor 50 Jahren. Diese runde Zahl ist Anlass für den Festtag heute, den wir mit diesem festlichen Gottesdienst miteinander beginnen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus …

Du bist noch keine 50 Jahre alt!“, wurde Jesus einmal entgegengehalten, um seine Autorität in Frage zu stellen. Dieser menschliche Maßstab bekommt rasch eine andere Qualität, wenn es um Glaubenserfahrungen geht. Sie sind zeitlos, weil sie mit Gott zu tun haben. So ist die katholische Bergkirche mit 50 Jahren relativ jung.

Was macht den Unterschied, wenn wir auf 500 Jahre zurückblicken könnten?

Leben können wir doch immer nur in der Gegenwart. Oder wie wär’s mit einem Tausender hinter der 5? Das würde sogar vor der Zeit Abrahams liegen.

Aber gibt es eigentlich etwas „vor Christus“? Deshalb Jesu Antwort: „Noch ehe Abraham wurde, bin ich!“ (Joh 8,58).



Kyrie-Rufe


Herr Jesus Christus, du Herr der Kirche.

Herr, erbarme dich.


Herr Jesus Christus, du Haupt des Leibes.

Christus, erbarme dich.


Herr Jesus Christus, du König des Kosmos.

Herr, erbarme dich.


Fürbitten


Lebendiger Gott, Vater im Himmel, zum Zeichen deiner Gegenwart unter den Menschen wurde diese Kirche gebaut. Wir bitten dich durch Christus, deinen geliebten Sohn:



  • Führe alle, denen wir den Bau dieser Kirche verdanken und die uns auf dem Weg des Glaubens vorausgegangen sind, in dein ewiges Reich.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Schenke allen Menschen und Politikern deinen Heiligen Geist, damit Frieden und Versöhnung unter den Völkern möglich wird.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Erwecke durch dein Erbarmen in den Gemeinden einen lebendigen Glauben und erneuere deine Kirche.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Lass uns auf die Fürsprache der Gottesmutter erkennen, wie wichtig die Einheit und der Zusammenhalt in der einen Familie der Kinder Gottes sind.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Stärke und segne alle ökumenischen Bemühungen und geleite die Konfessionen zu einer größeren Übereinstimmung im Glauben.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Gib allen Menschen die Einsicht in die ökologischen Zusammenhänge und lass uns die Liebe zur Natur als christlichen Auftrag begreifen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gott, Vater im Himmel, mit großer Dankbarkeit haben wir uns heute versammelt. Wir danken dir für diese „Kommunion“ mit dir und untereinander durch Christus, unseren Herrn! Amen.

 


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall



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