Predigt am 30. Sonntag im Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 24. Oktober 2010

Eröffnung der Installationen „Der gute Hirte“ in der Kirche Christus König


Einführung

Das Mosaik auf unserer Chorwand von Dieter Franck gibt uns Christus als König vor Augen. Neben diesem Hoheitstitel ist wohl der schönste der des Guten Hirten. Der „König“ betont die Herrschaft, der „Hirte“ legt die Führung nahe.

Es ist ein Bild, das an die Frühzeit Israels erinnert, als das Volk Gottes noch in Zelten unterwegs war. Die Nomaden, die Wanderhirten hielten sich Herden aus Ziegen, Schafen und Rindern. Was uns heute romantisch anmutet, war damals lebensnotwendig; es galt stets, gute Weidefläche zu finden und Orte mit frischem Wasser.

Auch wir kennen den Schäfer mit seiner Herde; es gab und gibt sie bis heute, die Schafherden, die auf den Fluren weiden. Der Gute Hirte ist ein wunderbares Gleichnis für Gott.

Deshalb bekam diese Kirche die Form eines Zeltes. Und jetzt sehen Sie heute Abend verschiedene Arrangements, welche uns das Guter-Hirte-Sein Gottes nahe bringen, vor allem anhand des Psalms 23. Ja, so ist Gott zu uns – wie ein überaus Guter Hirte.


Ansprache „Begreifbare gute Begleitung“

Vor einigen Tagen bekam ich Werbung in den Briefkasten von einem bekannten Telekommunikationskonzern. Auf der Karten-Tasche steht: „So haben Sie noch nie ferngesehen! … Genießen Sie mehr Sender, mehr Auswahl und volle Flexibilität!“

Angeboten wird der Zugriff auf 15 000 Film-. TV- und Serien-Highlights.

Angenommen, wir werden 100 Jahre alt, dann könnten wir 365 Tage x 100= 36 500 Tage genießen und etwas jeden zweiten Tag ein Highlight anschauen, abgesehen von ständig neuen Produktionen, ach, und die Schaltjahre habe ich gar nicht erwähnt, es sind ja in 100 Jahren 25 Tage zusätzlich.

Dazu gesellen sich die täglichen Nachrichten-Sendungen.


Liebe Mitchristen, allein schon dieses Beispiel macht die Ablenkung deutlich, der wir ausgesetzt sind. Zudem driften unsere Lebensbereiche auseinander, wir brauchen immer mehr Straßen und andere Verkehrsmittel, um noch schneller irgendwohin zu kommen. Wir wohnen woanders, als wir arbeiten, und um uns zu erholen, machen wir einander manchmal ganz viel Stress.

Zugleich nehmen die Berichte und Vorträge über Demenz immer mehr zu.


Aber Vergesslichkeit und Desorientierung sind nicht nur eine Frage des Alters. Niemand ist dagegen gefeit.

Aber unser Leben ist doch kostbar – Tag für Tag, und zu schade, als dass wir es vor der Flimmerkiste verhocken.


Gibt es denn keine bewusste Orientierung mehr? Wer bin ich? Wohin gehe ich?


Liebe Mitchristen! Wer sind wir? Wohin gehen wir? Wer bewahrt uns vor Irrwegen oder holt uns von dort zurück?

Er ist doch für uns da: der Gute Hirte, Gott selbst in Jesus Christus.

Er ruft.

Er schaut uns an.

Er gibt uns Ansprache.

Er gibt uns Ansehen.

Sein Herzensanliegen ist es, dass unser Leben gelingt nach Gottes Wohlgefallen.

Wenn wir es gut meinen, kann er es besser.

Er hat den Überblick über unser Leben und er weiß alles.

Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ (Joh 10,14).

Das Erste und Wichtigste also ist, sich diesem Guten Hirten anzuvertrauen, ihm sein ganzes Leben anzuvertrauen.


Nichts ist so wichtig, wie der unverwechselbare Film des eigenen Lebens. Der wird nämlich bei Gott aufgezeichnet und ist jederzeit abrufbar – und korrigierbar. Wir können zwar keinen einzigen Tag unseres Lebens ausblenden, aber da jeder Tag von Gott vorgesehen wurde, hat er aufgrund seiner übergroßen Barmherzigkeit auch ein Nachsehen. Ein Tag bleibt in der Abfolge, wie er geworden ist, „stehen“. Aber weil Gott ihn „mit angesehen“ hat, vermag er ihn auch zu wandeln und er gibt unseren Tagen den Schimmer von Ewigkeit.

Was Gott angesehen hat, ist gut aufgehoben.

Was Gott angesprochen hat, bleibt!

Der Gute Hirte sieht mich an, also bin ich!

Der Gute Hirte spricht mich an, also bin ich!


Liebe Mitchristen, darum geht es: sich führen und leiten zu lassen, damit aus unserem Leben wird, was Gott will.

Nur der lebendige Gott vermag das Beste aus unserem Leben zu machen. Dafür ist jeder Schritt und jede Richtung wichtig.


Damit wir dies ganzheitlich begreifen können, wurden die Stationen aufgebaut. Gehen Sie im Rundweg den Installationen entlang, so werden Sie aufmerksam gemacht auf denjenigen, der uns voll Liebe anleiten will, den Weg Gottes zu gehen.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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