Predigt am Fest Allerheiligen, Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 1. November 2010


Erste Lesung: Offb 7,2-4.9-14

Zweite Lesung: 1 Joh 3,1-3


Liebe Mitchristen!

Warum sitzen wir so lange und so oft vor dem Fernseher? Die Antwort ist einfach: Weil wir etwas sehen wollen!

Tatsächlich sitzt fast jeder von uns fast täglich vor dem Fernseher. Insofern ist das positiv und es erhält auch Arbeitsplätze. Ein Werbeslogan für die Television lautet: fernsehen – nahsehen – mehr sehen.


Christen sind auch dabei: Ja, vor allem wir Christen sind die eigentlichen Fern-Seher. Wir haben in der Ferne eine Vision. Christen sind Tele-Visionäre, und zwar ohne Gerätschaft, allein durch ihren Glauben. Als Christen können wir in die ferne Zukunft schauen: Eine unzählbare Schar aus allen Stämmen, Völkern und Sprachen wird vor Gott stehen. Soweit hat uns die Lesung aus der Offenbarung des Johannes den Blick aufgetan. Das übereinstimmende Bekenntnis lautet: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm! Die Frage ist nun für jeden: Bin ich auch dabei?! Da hilft uns die zweite Lesung weiter. Sie spricht unser Urbedürfnis an: zu sehen.


Gegen allen Pessimismus wirft der Verfasser des Johannesbriefes den Anker der Hoffnung ganz weit in die Zukunft und sagt: „Wir werden Gott sehen, wie er ist!“

Schon hör ich den Einwand: Man kann Gott nicht sehen! Das ist zunächst richtig, aber es ist nur die halbe Wahrheit: noch nicht! Wir können Gott noch nicht sehen, weil wir noch nicht heilig genug sind!


Ganz gewiss ist: Gott allein ist vollkommen und absolut heilig. Wenn wir aber als Glaubende im Kontakt mit Gott stehen, dann haben wir Anteil an seiner Eigenschaft, heilig zu sein. Dabei gibt es eine Steigerung, die herausfordert, sich weiter zu heiligen! Was heißt das nun aber eigentlich: sich heiligen?! Wenn Gott sich auf uns zu bewegt hat in Jesus von Nazaret und wir uns in ihm nunmehr auf Gott zu bewegen können, dann müssen wir uns „angleichen“, um intensive Gemeinschaft zu verwirklichen. Wir wissen, dass wir Gott ähnlich sein werden.

Die Zunahme an Ähnlichkeit wird es uns möglich machen, Gott wirklich zu sehen.


Die Dynamik dazu gibt der Heilige Geist, der durch die Taufe in uns wohnt und der uns durch die weiteren Sakramente „zu Gott mit nach Hause nimmt“. Der Empfang der Sakramente ermöglicht den aufrechten Gang vor Gott und stabilisiert ihn, bis wir endgültig ganz vor Gott zu stehen kommen. Dies zu glauben ist die konkrete Form der Hoffnung, die Heiligung bewirkt.


Wer mit halbem Herzen glaubt, bleibt auf halbem Weg stehen. Deswegen gilt es, um das Ziel zu erreichen, mit ganzer Kraft, mit seinem ganzen Denken, mit seinen ganzen bildhaften Vorstellungen (!) und aus vollem Herzen an den Verheißungen festzuhalten, welche die Tele-Vision des Glaubens verspricht.


Die Heiligen haben das Ziel fast schon erreicht – noch nicht ganz, denn wir fehlen noch dabei. Aber Gott ist ja Gott des Himmels und der Erde und es gibt vielfache Abstufungen und fließende Übergänge für alle – in die gleiche Richtung, wenn Gott offenbar werden wird von Angesicht zu Angesicht.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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