Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 7. November 2010


Evangelium: Lk 20,27-38


Mitgift fürs ewige Leben



Menschen haben verschiedene Bedürfnisse, aber eines ist ganz wichtig, gleichsam auch der Höhepunkt von allem, das Bedürfnis, dass man das Leben deutet und dann auch konsequent feiert. Wir feiern zum Beispiel runde Geburtstage und wir haben auch viele andere Gelegenheiten zu feiern, denken wir an Hochzeitsjubiläen oder an runde Zahlen bei Firmengründungen.


Dann gibt es aber auch die wöchentliche Feier des Gottesdienstes. Wir könnten sagen, jeder Gottesdienst sei eine „Hochzeit“, denn da geschieht etwas. An jedem Sonntag feiern wir Hochzeit. Früher trug man dazu die besten Kleider. Ganz vereinzelt kann man noch hören: „Ja, die Leute, die in die Kirche gehen, die wollen bloß ihre Kleider zeigen!“ Das stimmt nicht mehr so. Es war – und ist! – aber nur der Ausweis des Inneren, dass man eben zur Hochzeit entsprechend schön gekleidet kommt. Dann entsteht auch die entsprechende Atmosphäre und Stimmung. Schließlich will Gott, dass wir gut dastehen. Warum sollen wir das nicht zum Ausdruck bringen durch die beste Kleidung?


Nach sechs Werktagen ist am siebten Tag die Feier des Lebens angesagt: Gott ruhte am siebten Tag und „sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut“ (Gen 1,31). Das können wir auch so halten, dass wir am Sonntag innehalten, die Augen aufmachen und sehen, wie schön eigentlich alles geworden, gemacht und gearbeitet ist und dafür Gott loben.

Der Ruf ins Leben hat das alles bewirkt. Wie sollte das bei der Auferstehung der Toten anders sein?


Am Sonntag loben wir den Christus Gottes für die Auferstehung von den Toten. Gott selbst, „für den alle lebendig sind“, hat ihn aus dem Tod auferweckt. Dadurch wurden die Worte Christi bestätigt. Gott hat durch ihn gesprochen. Die Worte Jesu Christi sind für uns maßgeblich.

Sie geben und schenken uns das Leben der Auferstehung. Die „Ansprache“ Christi macht lebendig, seine Worte nehmen unser Leben mit hinein in die Auferstehung.


Was lebendig macht, heißt auf theologisch „Wandlung“! Der für uns gegenwärtige Christus gibt uns Anteil an seiner Gegenwart, indem auf sein Wort hin Wandlung geschieht. Genau das macht den Sonntag zur „Hochzeit“. Er ist der Einladende.

In der Eucharistiefeier ist Jesus der Gastgeber.


Jesus hat dieses Mahl gefeiert, um trotz des bevorstehenden Leidensweges und Sterbenmüssens als Hoherpriester auf göttliche Weise bei den Menschen zu bleiben. Immer wieder feiern wir ja das letzte Abendmahl auf die Anweisung Jesu hin: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Wenn wir es tun, dann weil Jesus selbst als Gastgeber eingeladen hat und sein Wort ist entscheidend und maßgeblich.


Wir wissen, dass der Höhepunkt des Gottesdienstes, der Höhepunkt der Messe, die Wandlung ist. Die Wandlung beim Hochgebet geschieht auf das Wort Jesu hin: Aus Brot wird der Leib Christi, aus Wein wird das Blut Christi. Aus der irdischen Substanz wird die himmlische, könnten wir sagen. Damit sind wir bei dem Punkt, dass es für dieses Glaubensgeheimnis verschiedene Erklärungsversuche gibt. Da sprach man in der Scholastik von Transsubstantiation, und dann weiterhin etwas moderner von der Transfinalisation und von der Transsignifikation, aber das wollen wir uns näherhin ersparen. Im Prinzip geht es nur darum, und das kann jeder nachvollziehen, dem Wort Jesu zu glauben, denn Jesus sagt: Dies Brot – mein Leib! Dieses Brot ist mein Leib! Dieser Wein – mein Blut! Dieser Kelch ist der neue Kelch in meinem Blut, der Kelch des neuen Bundes! Jetzt kommt es darauf an, diesem Wort Jesu zu glauben. Natürlich kann man versuchen, rational das einzuholen, aber wenn das Wort Jesu göttliche Kraft hat, dann ist das so, wie Jesus sagt. Deswegen ist in Brot und Wein die wirkliche Gegenwart Jesu Christi in Leib und Blut.


Wenn wir zur Kommunion gehen, empfangen wir den Leib und das Blut Christi und wir werden selbst gewandelt durch den Genuss dieser Speise auf das Wort Jesu hin. In der Offenbarung steht: „Siehe, ich mache alles neu“ (vgl. Offb 21,5). Damit sind auch wir gemeint: Wir werden gewandelt vom alten in den neuen Menschen. Wir werden als Nachfahren des Adam gewandelt in die Nachfahren des Christus. Wir werden vom irdischen zum himmlischen Menschen gewandelt: „Siehe ich mache alles neu.“ Damit wird uns klar, die Kompetenz Gottes ist die Wandlung. Gott ist groß und ihm ist nichts unmöglich und die Wandlung ist die ureigene Kompetenz Gottes – für uns! Wir werden neu gemacht und zwar in jeder Feier des Gottesdienstes.


Da stellt sich die Zusatzfrage: Der Gottesdienst soll einmünden in den Alltag und der Alltag soll einmünden in den Gottesdienst. Das ganze Leben kann doch Wandlung sein. Wie geht das?


Nach dem bisher Gesagten können wir festhalten, dass das Wort Jesu die entscheidende Wandlung bewirkt. Wenn wir uns die Worte Jesu in alle Lebensbereiche hinein sagen lassen, dann werden auch sie alle gewandelt in das Leben Jesu hinein.


Das gilt dann auch für die Ehe. Das hochgestapelte Beispiel der Sadduzäer muss ja schon eine Antwort finden bei einer zweiten Ehe. Die Sadduzäer gehen bei ihrer Argumentation davon aus, dass der Himmel eine Abbildung des Irdischen ist.

Demgegenüber betont Jesus die entscheidende Gotteserfahrung Israels: die Offenbarung seines Namens. Die Erinnerung an die verbindliche Gegenwart Gottes bei seinem Volk macht lebendig, dafür bürgen die Namen der Erzväter. Die Macht des Lebens kommt aus göttlicher Zuneigung, da ereignet sich ständig Wandlung.


Die göttliche Zuneigung ist für jeden Ehepartner wichtig, und dann ist jeder Mann und jede Frau hineingenommen ins Kommende. Nichts bleibt, wie es war, beständig geschieht Wandlung.


Aber alles durch Jesus mit Maß und Ziel, Werktag für Werktag und Sonntag für Sonntag. Und es ist immer anders. Er schenkt sich selbst uns dabei als Mitgift fürs ewige Leben.


Deshalb kann man sagen, Christen feiern das ganze Leben, sie können das ganze Leben als Hochzeitsgäste des Christus erleben. Gott selbst hat uns zu würdigen Hochzeitsgästen gemacht durch sein Wort – und das Ganze hat ja ein Ziel, nämlich: „Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sind“ (Offb 19,9).


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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