Predigt am 4. Adventssonntag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall,19. Dezember 2010


Lesung: Jes 7,10-14

Evangelium: Mt 1,18-24


Dich will ich heiraten!, sagte die Möglichkeit.

Wir passen doch nicht zusammen, antwortete der Unmögliche.

Also blieben beide, die Möglichkeit und der Unmögliche, ledig; also unvermählt.


Dieses Wortspiel macht darauf aufmerksam, das Menschmögliches und vorher für unmöglich Gehaltenes im Glauben an Gott fruchtbar werden können.

Der heutige 4. Adventssonntag mit dem Evangelium nach Matthäus lenkt in diesem Sinn unsere Aufmerksamkeit auf die Möglichkeiten Gottes, und die sind schlichtweg unbegrenzt. Erinnern wir uns an das Evangelium nach Lukas; dort kommt aus des Engels Mund, dass für Gott nichts unmöglich sei. „Für Gott ist alles möglich!“ (Mk 10,27), heißt dies im Markus-Evangelium positiv gewendet.


Oder wir sagen. Für Gott ist das Nichts unmöglich. Deswegen „gibt es“ bei Gott immer etwas, nämlich seine Gegenwart. Die göttliche Gegenwart im Gegenüber zur Welt garantiert, dass Gottes Plan mit der Welt in Erfüllung geht.

Im Rückblick können wir erkennen, wie wunderbar alles gelaufen ist.


Ein solches Wunder haben wir soeben mitbekommen: Der Engel des Herrn brachte Josef die Botschaft! Wir erfahren hier, wie wichtig das Träumen ist. Bei all den vielen Ablenkungen des Tages kann es sein, dass wir erst in der Ruhe der Nacht zu uns selbst kommen und „bei uns zu Hause sind“. Dann will Gott uns auf das Eigentliche unseres Lebens hin ansprechen, so geht „sein Plan“ mit uns. Dazu schickt Gott dem Josef den Engel und er erkennt seine Berufung.


Die beiden Verlobten – Josef und Maria – werden durch die gemeinsame Erfahrung der Botschaft des Engels auf göttliche Weise miteinander verbunden. Sie erkennen auf unterschiedliche Weise den Willen Gottes, dass sie für das göttliche Kind die Eltern sein sollen.


Die Jungfrau Maria empfängt die Botschaft des Engels am Tag, der Jungmann Josef erfährt das Neueste über seine Braut durch den Engel im Traum. Beide Ereignisse ergänzen sich sinnvoll und zeigen an, dass Gott der Herr ist über die täglichen Gezeiten und „mittendrin“ sein Wort zur Welt bringt.


Wie kann das bei uns geschehen?

Ist es nicht so, dass wir zwar auch vieles überlegen, aber meistens doch innerhalb unseres Lebenshauses. Die Evangelien lehren uns, dass wir mit dem Einspruch Gottes rechnen sollen. Es kann doch sein, dass Gott einen Engel schickt, der uns den weiteren Weg aufzeigt, den Gott für uns vorgesehen hat.


Verbindlich und in großer Treue hat Gottes seine Gegenwart zugesagt und darin stecken alle Möglichkeiten für uns. Doch für den nächsten Tag können wir immer nur jeweils eine davon wahrnehmen. Und in dieser einen wahrgenommenen Möglichkeit dürfen wir auf Gottes Hilfe vertrauen. Unsere Tage gestalten sich als eine Perlenkette von konkreten Möglichkeiten, die wir wahrnehmen können. Wir entscheiden dabei mit Verstand und Gefühl, also mit Kopf und Herz, wir überlegen am Tag und träumen in der Nacht.

Aber immer werden wir mit den „Einbruch“ Gottes rechnen müssen, nein, mit dem Einspruch Gottes rechnen müssen, und sei es durch einen Engel des Herrn, sei es durch einen Engel auf zwei Beinen, männlich oder weiblich. Die Engel auf zwei Beinen sind dann von Gott geschickt, wenn sie Leben befürworten und lebensfreundlich handeln, konkret: Wenn Kinder trotz widriger Umstände angenommen werden und das Licht der Welt erblicken dürfen.


Beim hl. Josef war es jedenfalls so: Er überlegte bei Tag und träumte in der Nacht. Dadurch erweist sich seine Liebe zu Maria größer als seine anfängliche Verwirrung. Das Hören für den Boten Gottes macht ihn offen für das Geheimnis und führt ihn über seine eigene Gerechtigkeit hinaus.

Durch den Nachhilfeunterricht des Engels, „sogar in der Nacht“, wird er fähig, seine Frau zu sich zu nehmen. Beide haben das Wort Gottes aufgenommen und so kam es zwischen Maria und Josef zur Welt.

Menschliche Unmöglichkeiten haben sich mit Gottes Möglichkeiten verbunden und wurden zum menschlichen Ausgangspunkt unserer Erlösung. Vormals „nur verlobt“ grüßen nunmehr als Vermählte und glückliche Eltern: Maria und Josef!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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