Predigt am Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr  A

Schwäbisch Hall, 9. Januar 2011


Erste Lesung: Jes 42,5a.1-4.6-7

Zweite Lesung: Apg 10,34-38

Evangelium: Mt 3,13-17


Das kalte und stabile Hochdruckwetter hat uns bis Dreikönig eine schöne Winterlandschaft und eine gesunde Winterluft beschert. Das war schön! Vielleicht wiederholt sich in diesem Winter solche eine Wetterperiode. Wenn wir dann spazieren gehen, schauen wir gerne in den blauen sichtbaren Horizont. Dann sind es ein paar Wolken, schönes Weiß auf Blau, welche uns Orientierung geben. Der Horizont rückt „näher“, wenn ein paar Wolken unseren Blick einfangen. Wolken bleiben ja nie stehen – sie ziehen! Sie sind in Bewegung. Alles Bewegte zieht unseren Blick auf sich. Betrachten wir nur einmal die Werbung: wie es da hüpft und springt und winkt!

Modern gesprochen hat Johannes der Täufer ebenso „Werbung gemacht“ für den Kommenden. Schon sein Äußeres war Blickfang genug und er zog die Scharen an; sein Angebot war es, die Leute unterzutauchen. Er vollzog eine Bußtaufe im Hinblick auf das kommende Gericht. Wenn aber nach dem Auftauchen nichts weiter passiert, bleibt alles beim Alten; damit wäre sozusagen alles beim Alten Testament geblieben.


Ganz anders kommt Jesus an. Sein bereitwilliges und freiwilliges solidarisches Abtauchen in die Abgründe des Menschlichen zeigt an, dass er ganz und gar der Messias sein will. Dass er es ganz und gar ist, wird in seinem Auftauchen bestätigt: Er sieht, dass sich der Himmel öffnet. Der unsichtbare Horizont des Himmels verdichtet sich in der Gestalt der Taube, die auf ihn herabkommt. Der Fokus liegt zentral auf dem aus dem Wasser aufsteigenden Jesus und auf dem in der Gestalt der Taube herabkommenden Himmel. In diesem Moment haben sich die Tiefen menschlicher Abgründe und die Gnade aus himmlischer Höhe geküsst.

Ab diesem Zeitpunkt kommen die Worte für Gottheit und Menschheit aus einem Mund: aus dem Munde Jesu Christi!

Was er sagt, vereint beide, Gott und Mensch, und versöhnt beide Bereiche miteinander, oben und unten, Himmel und Erde – und zwar für immer! Denn Jesu Wort bewirkt Unvergängliches.


Den Mittelpunkt dieser Übereinkunft bildet nicht ein Irgendwie, nicht ein Irgendwo, nicht ein Irgendetwas, sondern ganz konkret Jesus von Nazaret in Galiläa. Er ist die Konkretion Gottes, sozusagen „Himmel in Erde“ und „Erde in Himmel“. Diese Vereinigung in der Person Jesu Christi ist uns vom Vater als Blickfang gegeben: In ihm ereignet sich die Bewegung Gottes und das Wort Jesu bewegt die Welt. Aufgrund dieser Bewegung hat die Welt Zukunft. Deshalb ist er der Vater der erlösten Schöpfung und Vater der Zukunft (Jesus-Litanei, GL 765).


Vor dem schier unendlichen Horizont des Himmels ist Jesus als Gott von Ewigkeit das geliebte Du des Vaters und vor dem schier unendlichen Horizont der Erdgeschichte ist „der neue Adam“ das geliebte Du des Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe!“, heißt es im Markus-Evangelium (Mk 1,1).


Liebe Mitchristen! Du gefällst mir! An dir habe ich Gefallen gefunden. Von wem möchten wir uns das sagen lassen? Wenn wir uns das auch vom himmlischen Vater sagen lassen wollen, dann dürfen wir zu Jesus kommen und mit ihm in Kommunikation treten.

Jesus ist sehr kommunikativ und macht immer den ersten Schritt. Deshalb wurden die meisten von uns schon als Kinder getauft. Wir befinden uns in dieser Vorgegebenheit unserer Vorfahren des Glaubens. Als Getaufte stehen wir jetzt in der Kommunion mit ihm und dürfen aus der Fülle des Geistes leben, wie es das Tagesgebet formuliert. Jesus ist für und mit uns hinabgestiegen und aufgetaucht und hat uns damit auf die Seite von Gottes Wohlgefallen gebracht. Das von Johannes dem Täufer angekündigte Gericht ist durch ihn „abgelöst“. Er ist als Heiland und Richter zugleich gekommen.


Die Weihnachtszeit mit ihren schönen Impulsen hat unser Verhältnis zu Jesus aufgefrischt. Vor der Krippe haben wir gespürt: Der Fokus zwischen Himmel und Erde liegt auf Jesus. Auf ihn hat Johannes der Täufer aufmerksam gemacht. Jesus von Nazaret zog nach seiner Taufe umher, tat Gutes und heilte alle (vgl. Apg 10,38). Jesus offenbart sich als der bewegte Beweger, der die Menschen aus allen Gefangenschaften und aus aller Krankheit auf Gott hin befreit.


Als Getaufte und Befreite werden auch wir von Christus bewegt und können von seiner Bewegung Zeugnis geben in der Welt. Das macht uns zum Blickfang. Als von Jesu Wort sichtlich Bewegte werden wir zum Blickfang am Horizont unserer Gesellschaft. Lasst uns dafür mit Hochdruck arbeiten durch unser entschiedenes Christsein!

So wie Gott in Jesus „aus dem Himmel ausgezogen ist“, um unseres Heiles willen, so können wir durch ein christliches Leben von der Erde „in den Himmel einziehen“.



Pfarrer Karl Enderle

 

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