3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A mit Vorstellung der Kommunionkinder

Schwäbisch Hall, 23. Januar 2011



Lesung: Jes 8,23b-9,3

Evangelium: Mt 4,12-23



Schulzeit bei Jesus

Als meine kleine Nichte laufen gelernt hatte, stieg ihr Selbstvertrauen. Nach diesem Erfolgserlebnis sagte sie öfters: „Ich selber!“ Das ist eine positive Entwicklung, wird der Psychologe sagen. In der Tat werden wir zur Selbständigkeit erzogen. Sobald wir auf den eigenen Beinen stehen, können wir hingehen, wohin wir wollen. Sagen Sie aber, liebe Mitchristen und liebe Eltern, reicht das fürs Leben? Dass man einfach so machen kann, was man will. Oder gibt es ein Gegenüber, das wir Gott nennen, dem es nicht egal ist, wohin wir gehen und wie es uns geht? Kann es nicht sein, dass da der Herr Gott uns in allem dadurch voraus ist, dass er überhaupt die Schritte erst ermöglicht, damit wir sie tun können? Ganz bestimmt hat der Herrgott seine helle Freude über unsere Selbständigkeit. Schließlich macht er die Kleinen groß.


Auch wenn wir ganz groß herauskommen wollen, hat er nichts dagegen. Für ein gelingendes Leben braucht es aber der Erfahrung nach zwei: „Hallo, Partner, danke schön!“ Auf den lieben Gott hin gesagt, ist das allerdings eine Untertreibung. Er ist immer der je Größere und wir dürfen zu ihm aufschauen, aber „das macht nichts“, denn – wie gesagt – er macht ja die Kleinen groß als menschenfreundlicher Schöpfer allen Lebens.


Allerdings ist es für uns Menschen schwierig, zu Gott ständig aufschauen zu müssen. Deswegen wurde Gott Mensch, um uns auf Augenhöhe zu begegnen. Dieser Ausdruck ist keine Verniedlichung des allmächtigen Gottes, denn es gründet in seiner Größe, sich so klein zu machen wie ein Mensch.


Das heutige Evangelium veranschaulicht uns, wo und wie das Licht der Menschwerdung Gottes aufgegangen ist. Jesus von Nazaret hat gewartet, bis es so weit war, dass er nicht mehr verwechselt werden konnte mit demjenigen, der ihm auf den Kopf hin zugesagt hatte: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Erst als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, von da an, begann Jesus zu verkünden: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“


Auch die Jünger damals kannten den bei uns gängigen Spruch, um jemand aus einer alten Situation herauszuholen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ War es nicht einfach die überragende Faszination Jesu, welche die spontane Reaktion der Jünger bewirkte? Sie haben begonnen, die wichtigsten Schritte ihres Lebens zu tun, indem sie Jesus nachgefolgt sind.


Voraussetzung ihrer Berufung war ihre Selbständigkeit. Aber ab diesem Zeitpunkt begann die spannende Zeit der Auseinandersetzung mit dem Willen Jesu. Jesus wollte, dass sie lernen, den Weg Gottes zu gehen. Er hat sie auf den ursprünglichen Willen Gottes aufmerksam gemacht und ihnen das konkret vorgelebt. So befolgte Jesus den einfachen pädagogischen Grundsatz: vormachen – nachmachen – üben.

Die Zeit, in der man bei Jesus in die Schule geht, nennen wir übrigens Exerzitien.


Liebe Mitchristen, auch wir haben heute Morgen unsere Bereitschaft signalisiert, bei Jesus in die Schule zu gehen und „Exerzitien“ zu machen. Sie, liebe Eltern der Erstkommunionkinder, haben Ihre Kinder zu Jesus in die Schule gebracht, gerade weil sie inzwischen schon auf eigenen Beinen stehen können und ihren eigenen Willen zeigen. Nun geht es in der Vorbereitung auf die Erstkommunion darum, von Jesus zu lernen, was der Wille Gottes für mein Leben ist. Das ist nicht einfach, aber Schwierigkeitsgrade schrecken uns nicht unbedingt ab. Wir suchen die Spannung des Lebens ja auch in vielen anderen Dingen. Es gibt also zwei Pole einer fruchtbaren Spannung: herauszufinden, was will ich für mein Leben und was will Gott für mein Leben.


Um diese Hausaufgabe machen zu können, begeben wir uns gemeinsam auf den Weg. Als Kirche und Gemeinde sind wir schon seit jeher auf dem Weg – auf einem gemeinsamen Weg. Wir gehen miteinander, um uns auszutauschen, um uns gegenseitig zu helfen, um uns gegenseitig zu ermuntern, aber auch um uns gegenseitig die Augen aufzumachen für die schönen Seiten des Lebens. Wir können einander aufmerksam machen, wie Gott in allen Dingen für uns da sein kann und will.


Die dichteste Form zu erfahren, dass Gott da ist, erleben wir durch unsere Nähe zur Person Jesu Christi, der uns verbindlich versprochen hat: „Ich bin bei euch!“ Das betrifft jede Situation und alle Lebensbereiche. Nur der Heiland vermag uns heilsam und ganzheitlich zu Gott zu führen.


Liebe Kommunionkinder, liebe Eltern, mit dem heutigen Vorstellungssonntag machen wir uns miteinander neu auf den Weg, uns dieser Führung anzuvertrauen.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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