5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A


Schwäbisch Hall, 6. Februar 2011



Erste Lesung: Jes 58,7-10

Zweite Lesung: 1 Kor 2,1-5

Evangelium: Mt 5,13-16



Wesentliches Tun!


Was brauchen unsere Gemeinden, was ist notwendig? Im letzten Satz des Evangeliums steckt alles, was Kirche ausmacht. Immer wieder stellt sich doch die Frage, was denn das Ziel der Pastoral ist, worauf läuft „Seelsorge“ hinaus, um die sich zurzeit so viele Fachleute Sorgen machen:

Licht ist dazu da, dass es leuchtet!

Für den Apostel Paulus heißt das konkret: „nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“.


Wer diesen Ausgangpunkt verliert, dem erlischt der Docht. Der Gekreuzigte hat Frieden gestiftet am Kreuz durch sein Blut. „Er vereinigte die beiden Teile Juden und Heiden und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib“ (Eph 2,14.16). So hat es Gott bewirkt, dass alle zusammengehören. Das Bild von dem einen Leib bringt eine vitale Verbundenheit zum Ausdruck. Man kann nicht den großen Zeh abschneiden und sagen: Das macht nichts!


Die Heiden waren zur Zeit des Epheserbriefes ein bunt gemischtes Volk. Im Grunde meint diese Formulierung von „den beiden Teilen“ die Juden und alle Anderen. Also ist in dieser Aussage die Menschheit insgesamt als erwähltes Volk gemeint, aber eben in ihrer Beziehung zur Mitte des Erdkreises; das ist der Christus am Kreuz.

Christlich gesehen gehören alle Menschen zusammen, also können auch alle dazugehören und gemeinsam hören – auf Gott, den Einen, den guten Vater im Himmel. Wenn diese Richtung stimmt, dann entwickelt sich daraus die Balance zwischen Theorie und Praxis.

„Eine Theorie ohne Praxis ist wie ein laufendes Rad ohne Achse. Eine Praxis ohne Theorie ist wie ein Esel auf dem Weg“, soweit die Übertragung eines lateinischen Sprichwortes, das heißt, einer allgemeinen Lebensweisheit.


Der Orientierung am Gekreuzigten in der Theologie muss das rechte Tun in der Praxis des Alltags entsprechen. Wenn ich in der Lage bin, den Gekreuzigten in den Mitmenschen zu erkennen, dann geht das Licht Gottes auf: „Teile an die Hungrigen dein Brot aus, nimm die obdachlosen Armen ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn entziehe dich nicht deinen Verwandten.“ Sogar die eigene Finsternis wird hell wie der Mittag, sobald „du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst“. So hat es schon der Prophet Jesaja unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Das sind gute Werke, wie auch Jesus sie meint, die „Werbung“ für den Vater im Himmel machen.


Es fällt auf, dass es auf unserer Erde immer mehr Katastrophen gibt: Naturkatastrophen und menschliche Katastrophen. Immer mehr wird mir klar, warum Jesus gesagt hat: „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: Er wird nicht um seinen Lohn kommen“ (Mk 9,41). Sagen Sie mir: Wer gehört aus christlicher Perspektive nicht zu Christus?


Wenn sich die Frage aufdrängt, warum Gott so vieles zulassen kann, kommt mir manchmal dieser Gedanke als mögliche Antwort: damit wir beispielhaft lernen, einander zu helfen. Im Zweifelsfall ist es doch die warme Hand eines Mitmenschen, die hilft und über die wir dann gottfroh sind. Wir sind aufeinander angewiesen.


In der Dogmatik gibt es den Grundsatz: Gnade setzt Natur voraus. Das meint, das eine baut auf dem anderen auf, gehört aber zusammen. Über dem gerechten Tun im bewährten Alltag lässt Gott sein Licht aufgehen, das er in uns bereits entzündet hat. Die Arbeit im Alltag entsteht aus dem menschlichen Grundbedürfnis: Nahrung, Kleidung, Sauberkeit und Ordnung. Es sind Dinge, um die wir uns kümmern müssen. Gottfroh sind wir also für solche Menschen, die uns diesen Kummer abnehmen. Das sind die „Leibsorger“. Fazit: Wer sich um andere kümmert, dass es ihnen gut geht, dem flieht der Kummer. Das gilt für alle Orte, wohin ein Mensch kommt. In der Verbindung mit Christus kann er überall zum rechten Leib- und Seelsorger werden. Die Botschaft des Gekreuzigten ist, den Menschen nicht neue Kreuze aufzulegen, sondern ihnen zu helfen, ihr Kreuz zu tragen, wie Gott will.


Der Prophet Jesaja brachte dies sehr bildhaft zum Ausdruck: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich.“


Sagen Sie mir also: Wo ist Gott? Jesus Christus hat sich uns nicht entzogen. Also tun wir ihm gleich im Miteinander und Füreinander. Das macht Salz, das macht Sinn, das macht Licht.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

zurück