Predigt zum 9. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 6. März 2011



Erste Lesung: Dtn 11,18.26-28.32

Zweite Lesung: Röm 3,21-25a.28

Evangelium: Mt 7,21-27



Es wäre interessant, eine Umfrage zu machen, welche negative Eigenschaft des modernen Menschen ganz oben steht! Was würden Sie sagen?

Gleichzeitig haben wir in der zweiten Lesung aus dem Römerbrief gehört „Vor Gott sind alle gleich.“ Das stimmt! „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ Da gibt es keinen Unterschied.

Da haben wir es, worauf der moderne Mensch Wert legt, das ist die positive Seite.

Wir haben alle den gleichen Gott und vor Gott sind alle gleich! Das ist ein Credo, ein Glaubensbekenntnis, das größtenteils gut ankommt.


Füllen wir es mit christlichem Inhalt, dann heißt das so: Ohne es verdient zu haben – darin sind sich alle gleich! – werden sie gerecht (-gemacht), aber nicht ohne Weiteres, sondern dank der Erlösung in Christus Jesus.

Alle sind gerecht gemacht: in den Zustand der Gnade versetzt – durch Gott und von Gott! Gerecht gemacht heißt übersetzt so viel wie: Wir stehen in Gottes Wohlgefallen. Jeder hat eine weiße Weste bekommen. Gott achtet darauf, dass wir gut dastehen. Gott hat uns zu seinen geliebten Kindern gemacht. Dieser Status soll bleiben. Dazu ist es aber notwendig, dass wir vom Status der allgemeinen Gleichheit fortschreiten und dass wir nicht nur gleich sind, sondern einig werden. Sich einig werden geht aber nur, wenn wir einen Mittler und Vermittler haben, auf den alle hören. Dieser eine Hohepriester, der die Menschen mit Gott versöhnt hat, ist der Mittler des Neuen Bundes: „Darum kann er auch die, die durch ihn vor Gott hintreten für immer retten; denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten.“ (Hebr 7,25).


Jesus aber will und kann nur dann für uns eintreten, wenn wir mit ihm im Gespräch bleiben. Das geht aber nicht ohne die Fähigkeit, dass wir zuerst und zunächst auch auf Jesus hören. Damit sind wir bei der Umfrage: Ich meine, es ist sehr schwierig geworden, inmitten der vielen Stimmen und Geräusche aufeinander zu hören und auf Gott zu hören. Jesus sagt: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15,15). Gott hat sich in Jesus Christus verbindlich mitgeteilt. Was Jesus vom Vater her sagt, ist verbindliche Auskunft, auf die wir uns berufen können. Die Verbindlichkeit des Neuen Bundes steht also fest; sie steht felsenfest! Kein Sturm kann daran rütteln. Deswegen die Einladung, durch das Hören auf die Worte Jesu unser Lebenshaus auf Fels zu bauen. Deswegen kann man sagen: Die Worte Jesu sind wie eine Lebensversicherung. Wenn wir uns seine Worte aneignen, bleiben wir in Gottes Nähe und werden uns einig.


Wie aber kommen wir zur Aneignung der Worte Jesu, so dass sie uns bleibendes Eigentum werden, so dass unser Leben auf ewig Bestand hat?

Dazu braucht es die Verlautbarung. So wichtig das Selberlesen der Bibel ist – es braucht das laute Hören, das Wort Gottes muss so wie bar auf die Hand direkt ins Ohr! Die menschliche Stimme an sich ist ein wunderbares Instrument, die Aneignung der Worte Christi zu vermitteln. Ich brauche die Mittlerin, ich brauche den Mittler, die weibliche bzw. männliche Stimme, in welcher die persönliche Glaubensstimmung mitschwingt und dem Gesagten den Nachdruck verleiht.


Eine Steigerung ist natürlich das gesungene Wort, in welchem noch deutlicher das glaubende Herz mitschwingt. So ist die gottesdienstliche Versammlung eine herzliche Gemeinschaft, denn nur die persönliche Verlautbarung des Glaubens vermag von Herz zu Herz die Frohbotschaft Christi zu übertragen. Der „Übertragungswagen“ für die Sendung Christi sind wir selbst auf zwei Beinen, und so kommt jeder mit – Schritt für Schritt.


Es geht darum, zu hören und konsequent zu handeln: aufgrund der Worte Jesu den Willen des himmlischen Vaters zu erfüllen. Die Worte Jesu sind gleichsam das GPS-Navigations-System auf der Fahrt unseres Lebens. Zur Orientierung brauchen wir die verbindliche Auskunft. Die Worte Jesu sind diese verbindliche Auskunft auf dem Weg zum Vater. „Wer den Willen meines Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (vgl. Mk 3,35; Mt 12,50).


Die „Hausaufgabe“ besteht nun darin, gerade weil jeder einmalig und einzigartig vor Gott dasteht, herauszufinden, was hier und heute der Wille Gottes ist. Wir können uns auf dieser Suche gegenseitig helfen und sind darin als Gemeinde einander verpflichtet, aber wirklich auf Jesus hören! – das ist der überlebensnotwendige Schwierigkeitsgrad. Aber dieser Schwierigkeitsgrad wird uns zugetraut, denn ein Schwierigkeitsgrad hat noch niemand abgeschreckt, sondern das geradezu Unmögliche fordert uns eher noch heraus.


Stellen wir uns diesem Anspruch Jesu! Er ist das Leben! Er ist die Gerechtigkeit. Er hat uns schon die Füße gewaschen. Es geht uns gut. Wir stehen gut da, wenn wir auf Jesus hören und ihm gehören – felsenfest!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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