Predigt zum Aschermittwoch

Schwäbisch Hall, 9. März 2011



Lesung: Joël 2,12-18

Evangelium: Mt 6,1-6.16-18



Nicht zufällig wurde das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt. Sie filtern den Staub aus der Luft. Und wenn mal wieder ein Vulkan ausbricht, so sind es doch die Bäume, welche die Asche wieder binden. Nicht zu vergessen, dass gigantische Bauprojekte weltweit riesige Mengen an Kohlendioxid in die Luft jagen. Schließlich hat auch unsere Mobilität ihren Preis. Wir reisen zu Lande, zu Wasser und in der Luft, ganz zu schweigen vom weltweiten Fracht- und Güterverkehr.


Wir wissen längst: Unsere Umwelt staubt immer mehr zu. Gibt es bald die Atemnot im Sonderangebot? Wird es nicht auch den Pflanzen zuviel?

Erst stirbt der Baum – dann der Mensch!


Vor 30 Jahren sprach man vom „Waldsterben“. Wie gut, dass sich der „Patient Wald“ wieder erholt hat: „Als relevanter Parameter gilt, wie viele Nadeln oder Blätter den erkrankten Bäumen im Vergleich zu einem gesunden fehlen.“1


Ein Vergleich legt sich nahe: „Es bestehen Zusammenhänge zwischen … dem Abholzen und Absterben der Wälder und der seelischen Verödung …“2


Es gibt einen inneren Zusammenhang im ganzen Kosmos, der uns umgibt. Dieser lässt sich am Beispiel Baum und Mensch gut verdeutlichen: „Tote Bäume sind wie tote Seelen.“3

Gott aber will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10). Dazu ist Jesus Christus gekommen.


Wir haben in der Lesung gehört: „Da erwachte im Herrn die Leidenschaft für sein Land, und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.“

Zum Land, mit dem er Erbarmen hat, gehören auch die Natur und die Bäume.

Wie jetzt die Knospen schon anschwellen, so ist jetzt die Zeit der Gnade für uns!

So wie Licht und Wärme das Blattgrün aus den Knospen locken, so soll sich unser Christsein durch das Erbarmen und die Zuneigung Gottes neu beleben.

Was Gott schon in uns hineingelegt hat, gleichsam wie in eine Knospe, soll sich lebenskraftvoll entfalten.


Für einen Oberschwaben ist ein Bild für vollschönes Leben zum Beispiel ein blühender Obstgarten.

Am Fasnachtsdienstag habe ich einen Apfelbaum geschnitten. Diesen Zweig habe ich als Ganzen abgetrennt.

Seine Formen und seine Astgabelungen erinnern mich an das Credo: Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes kam das Leben.


Obstbäume, die viel gute Frucht bringen sollen, brauchen Pflege und Zuschnitt: Lassen wir uns für die Frucht in Jesu Namen beschneiden durch Fasten, Gebet und gute Werke.


Ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen dir und mir, zwischen Gott und Mensch, zwischen Gott und Mensch und Natur.

Entfachen wir mehr leidenschaftliches Erbarmen zueinander und zu den Bäumen, wie Gottes leidenschaftliches Erbarmen neu erwacht für unser Land und sein Volk!

Auf dass der „Patient Christ“ sich vollständig erhole!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

1 Haller Tagblatt vom 27. November 2010.

2 Guido Kreppold OFMCap, Kranke Bäume – kranke Seelen. Franziskus von Assisi eine Antwort?, Münsterschwarzacher Kleinschriften Nr. 35, 1986, Seite 24f.

3 Ebenda, Seite 31.

 

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