Predigt zum 1. Sonntag der Österlichen Bußzeit, Lesejahr A

Eröffnung des Jubiläums: 50 Jahre Christus König

Schwäbisch Hall, 13. März 2011



Begrüßung

Es gibt ein kleines Wörtlein, das viel bedeutet: Es heißt „mehr“, also zum Beispiel „50 plus“!

Willkommen, liebe Mitchristen, liebe Gäste, liebe Gemeinde in der Kirche „50 plus“!

Derjenige, der uns eingeladen hat, macht aus jedem Minus ein Plus. Denn er ist der von Gott eingesetzte Herrscher und König der ganzen Welt. Sonne, Mond und Sterne gehorchen ihm. Vor allem: Ihm gehören wir! Christus König hat uns berufen zu einem Leben „50 und mehr“!

Wie geht das?

Der Architekt Hans Georg Reuter und der Künstler Dieter Franck haben diesen Kirchenbau so konzipiert, dass er uns wie ein sichtbarer Brückenpfeiler die Brücke schlagen lässt zum noch unsichtbaren Reich Christi und Gottes.

Wer hereinkommt, ist angetan vom königlichen Blau der Chorwand. Diese Farbe lässt uns in den Horizont spähen und Ausschau halten. Dort erkennen wir den Christus, der uns anschaut. Sein Blick heilt und richtet auf und macht uns zu „lebendigen Steinen“.



Kyrie-Rufe

Herr Jesus Christus, geliebter Sohn des Vaters, Stimme des lebendigen Gottes.

Lasset zum Herrn beten: Herr, erbarme dich... GL 358,3


Herr Jesus Christus, mit Dornen gekrönter Heiland der Welt, Retter der Welt.

Lasset zum Herrn beten: Herr, erbarme dich... GL 358,3


Herr Jesus Christus, von Gott eingesetzter Richter der Lebenden und der Toten, Vollender der ganzen Schöpfung.

Lasset zum Herrn beten: Herr, erbarme dich... GL 358,3



Lesung: Eph 2,19-22 (Zweite Lesung, Kirchweihfest)

Evangelium: Joh 18,33b-37 (Evangelium, Christkönig, Lesejahr B)

 

 

Predigt

Bei einem Hausbesuch vor 20 Jahren bekam ich folgende Bemerkung zu hören: „Ohne Kirche – das wäre schon etwas komisch!“ Das will heißen: Es würde etwas fehlen. Darum geht es beim Bau einer Kirche: nicht nur um das gewisse Etwas, sondern um eine Entsprechung zu unserer Existenz. Eine Kirche spricht – schon allein durch ihren Bau. Im großen Miteinander gehören wir Gott. Deshalb wurde diese Kirche Christus König gebaut, deswegen wurde die Kirche Sophie Scholl errichtet und auch die Kirche St. Peter und Paul in Michelfeld. „Man trägt wieder Religion“, sagte da doch mal jemand. Aber das trifft es auch nicht, denn für eine vorübergehende Mode-Erscheinung sind wir uns zu schade. In den Augen Gottes sind wir tatsächlich unbegrenzt wertvoll und wichtig. Das wurde uns an dieser „Tatsache“ Gottes offenbart: Jesus von Nazaret, der Gekreuzigte. Durch die sichtbaren Koordinaten dieser Welt wurde er aufs Kreuz gelegt. Oben und unten, rechts und links gab es keinen Platz für den Sohn Gottes auf Erden. Also begab er sich freiwillig nach dem Willen des Vaters auf den letzten Platz am Kreuz. Deshalb „hat ihn Gott über alle erhöht“ (Phil 2,9) und ihn zum „Erstgeborenen der Toten“ gemacht (Kol 1,18), damit wir dazwischen einen Platz bekommen – zwischen Alpha und Omega. Alle, die glauben, bekommen durch die Taufe ihren ersten Platz bei ihm. Unser eigentliches Ansehen kommt also von Christus, von seinem Blick und von seinem Wort.


Wer diese Kirche betritt, ist von Christus angeschaut und angesprochen. Das ist die Grundidee dieses Mosaiks aus kostbarem Marmor. Sinnfällig werden hier die Hoheit Christi und unsere Erwählung gleichzeitig zum Ausdruck gebracht. Kunstfertig empfinden wir die Ausstattung unserer Kirche, weil sie unseren Sinnen gefällt. Kraft ihrer Architektur und Kunstwerke wirkt sie schön und wunderbar. Unsere Sinne werden angesprochen und wir strecken uns mit all unseren Sinnen aus nach dem, der uns eingeladen hat; das macht die ausgestreckte rechte Hand Jesu deutlich.


Diese sinnliche Hinführung zu Jesus, dem Christus, bewahrheitet sich dann auf einer anderen Ebene, auf der uns Gott entgegenkommt. Der Herrgott, der uns Menschen mit all unseren Sinnen erschaffen hat, damit wir uns im Diesseits zurechtfinden, er berührt uns von dieser anderen, unverfügbaren, uns entzogenen Ebene her, wir können sie Jenseits nennen. Gott berührt uns vom Jenseits am jeweiligen Punkt der Sinnlichkeit im Diesseits.

Deswegen sind unsere Sinne überaus wichtig; sie sind Berührungspunkte dieser beiden Ebenen, die eigentlich zusammengehören: diesseits und jenseits, von dieser Welt und nicht von dieser Welt.


Mit unserer Hand tauchen wir die Finger ins Weihwasser und wir berühren das Urelement des Lebens: Ich bin getauft und Gott geweiht!

Das Auge schaut den Hausherrn im Christus-König-Mosaik: Er hält den Schatz des ewigen Lebens für uns bereit.

Unsere Ohren hören das Wort Gottes, wir lassen es ins Herz sickern und erwägen es.

Die Nase riecht den Duft des Weihrauchs, der Wolke des göttlichen Wohlgefallens.

Unsere Zunge empfängt das Brot des Himmels, die Hostie als Opfergabe, welche den dahingegebenen Christus für dich und mich realisiert, d.h. der Empfang des Leibes und Blutes Christi lässt in uns die Auferstehung von den Toten Wirklichkeit werden.


Durch diese auferbauende Begegnung mit Christus im Gottesdienst der Gemeinde können wir jene Wirklichkeit ahnen, die Gott uns bereithält.

Mit der Auferstehung Jesu Christi hat Gott die Welt in sein Licht geholt und „das Werk getan“ (Ps 22,32). Der „Eckstein“, auf den alles ankommt, ist unwiderruflich gesetzt.


Durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten hat Gott ein für alle Mal den neuen Tempelbau begonnen. Gott baut weiter, auch in dieser Kirche in der Heimbachsiedlung wie in jeder anderen Kirche: Er fügt jeden und jede von uns ein in sein Bauwerk, das aus Menschen besteht, die von Christus erfüllt sind. So einen Menschen, einen wunderbaren Stein, dich und mich, gibt Gott nicht mehr her.


Diese Gewissheit soll in uns so mächtig und wirksam werden, dass sie unser ganzes Leben bestimmt! Deshalb ist diese Kirche ein Denkmal: Denk’ mal nach, dass Jesus Christus, dein Heiland, dein Richter und dein König ist.


Wer unsere Kirche betritt, dem kommt diese Glaubenswahrheit optisch entgegen, und er ist mit allen Sinnen berührt vom Anspruch des Weltenherrschers. „Durch ihn werden auch wir im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut“ (vgl. Eph 2,22). So sind wir auf die Seite des Lebens gekommen und schreiben uns „von und zu Christus“. Diesen Adelstitel dürfen wir behalten, in Wahrheit gehören wir ihm.

Das entscheidende Plus ist das Hören auf die Stimme dieses Königs.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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Fürbitten


Gott, unser Vater, durch die Auferstehung deines Sohnes hast du der Welt das neue Licht gegeben. Wir bitten dich:


  • Erfülle alle Christen und die ganze Welt mit deinem Licht!

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Steh dem japanischen Volk bei, die schlimmen Folgen der Natur- und Technikkatastrophe zu bewältigen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Schenke uns die Wertschätzung der Sinne, damit sie für uns Türen und Tore deiner Gnade werden!

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Gib den Menschen neue Liebe zu ihrer Gemeinde vor Ort und lass sie erkennen, dass Christus, dein geliebter Sohn, in jeder Gemeinde wesentlich da ist!

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Gib uns Christen Gnade und Phantasie, Menschen zu Christus zu führen!

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Vergelte allen ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen in den Gemeinden ihr Engagement und belohne ihre Treue!

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Schenke allen verstorbenen Gemeindemitgliedern das ewige Leben in deinem Reich.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gott, unser Vater, wir loben und preisen dich heute an diesem schönen Frühlingssonntag durch Christus König, unseren Herrn.

Amen.