Predigt zum 2. Sonntag der Österlichen Bußzeit, Lesejahr A


Schwäbisch Hall, 20. März 2011



Evangelium: Mt 17,1-9


Willkommen, liebe Mitchristen, als Hörer des heutigen Evangeliums!

Im Hören wird uns das Geschilderte aktuell, also präsent und gegenwärtig. Damit sind wir ebenfalls auf dem Berg der Verklärung und haben Jesus geschaut.


Der Nazoräer wird vor den Augen der Jünger verwandelt. Seine Gestalt wurde überaus licht, weiß und schön – viel mehr als all diese Worte es zum Ausdruck bringen können. Es handelt sich also bei dem Gehörten und Geschauten um eine Wirklichkeit, die unfassbar ist. Sie ist uns entzogen, wir können sie nicht bestellen oder kaufen. Diese Wirklichkeit zu erkennen, ist Gottes Werk in uns und alle, die von der Auferstehung der Toten reden, können dies nur geschenkweise vor dem Hintergrund des Evangeliums.


Deshalb liegt der Schlüssel dafür, Ostern zu verstehen, im Wort der Verkündigung. Die christliche Grundbotschaft, dass Jesus nach Leid und Kreuz für uns alle von den Toten auferstanden ist, braucht verschiedene Voraussetzungen. Sie sind im Menschen grundgelegt vom Schöpfer selbst, also von Gott.


Es gibt ein Zitat von Goethe: „Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken; läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken?“ Das meint doch, das körperliche Auge und das physikalische Sonnenlicht entsprechen sich so sehr, dass wir uns im Ergebnis morgens freuen, wenn wir die Augen aufmachen.


Eine ähnliche Entsprechung können wir formulieren, wenn wir von der Auferstehung Christi reden. „Christus, das Licht!“ lautet der alles übertönende Siegesruf in der Osternacht. Das Gehörte wird geschaut in der Flamme der Osterkerze. Eigentlich sehen und hören wir dann viel mehr. Die Herzen der Mitfeiernden deuten dies als grundlegenden Durchbruch des Lebens für immer und überhaupt. Als Christen glauben wir dem Christus, der wahrhaft von den Toten auferstanden ist. Was wir dabei im Hören und Sehen glauben, muss doch eine tiefe Verankerung in der Tiefe des Herzens haben. Diese Verankerung ermöglicht uns zu ergreifen, was Gott der Osternacht durch die Auferweckung Christi bewirkt hat. Wäre also das „Christushaftige“ nicht in uns schon grundgelegt von Gott selbst, könnten wir die Botschaft des Christus gar nicht empfangen.


Jetzt wird klar, warum es seither immer Menschen gab, welche die Auferstehung Christi ins Wort gebracht haben, dergestalt, dass dieses Wort auf fruchtbaren Boden fiel bei den Adressaten der Verkündigung. Es ist doch eigenartig, dass Jesus den Jüngern zunächst verbietet, das Gesehene weiterzuerzählen. Aber die Verklärung auf dem Berg Tabor ist erst die Vorschau auf Ostern. Was noch nicht geschehen ist, hat noch keinen wirksamen Hintergrund. Erst eine Tatsache kann bezeugt werden. Diese Tatsache Gottes, die tatsächliche Auferweckung Jesu Christi von den Toten abzuwarten, wurde den Jüngern befohlen.


Somit sind es später von der Auferstehung Christi erfüllte Menschen, die als Zeugen diese Wirklichkeit bezeugen können. Was ich selbst erlebt habe, davon kann ich erzählen; was ich selbst empfangen habe, kann ich weitergeben. Geben können ist etwas sehr Schönes, darin liegt auch ein wesentlicher Grund, Christ zu sein.


Liebe Mitchristen, das reine Weiß der Verklärung auf dem Berg Tabor lässt uns neu aufhorchen und aufschauen auf Ostern hin. Wir werden es bestimmt erreichen. Auch wenn wir immer wieder zurückmüssen in die Täler des Alltags. Wir haben den Christus und wir haben das Licht – es ist ein Geschenk, das bleibt.


Das Wort von der Auferstehung von den Toten hat seine Adressaten verwandelt und auch unsere Ohren werden Augen machen.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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