Predigt am 3. Fastensonntag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 27. März 2011



Lesung: Röm 5,1-2.5-8

Evangelium: Joh 4,1-42



Er ist wirklich der Retter der Welt!“ Diese Grundüberzeugung wird künftig das Leben der Samariterin bestimmen!


Liebe Mitchristen!

Es ist schon erstaunlich, wie sensibel und behutsam Jesus diese Frau im Gespräch zu sich selber bringt – noch dazu vor dem gesellschaftlichen Hintergrund, dass es damals sehr unüblich war, dass Mann und Frau in aller Öffentlichkeit so unbefangen miteinander reden; dazu muss man auch bedenken, dass die beiden jüdischen Konfessionen, Samaritaner und Juden zu Jerusalem, nicht miteinander beten und reden konnten.


Jesus überschreitet die Konvention in doppelter Hinsicht und eröffnet einen eigentlichen Dialogprozess mit unabsehbaren, positiven Folgen.

Was die Frau bisher verdrängt hatte, kommt im Gespräch mit Jesus ans Tageslicht. „Lob sei dir, Christus“ kann man da nur sagen.


Und wir, liebe Mitchristen, gehören wir auch zu der Samariterin, sind wir nicht ähnlich „gebaut“? Oder sind wir keine „Sünder“?

Kann es nicht sein, das wir gerade angesichts gegenwärtiger Gefahren vor allem die Begegnung mit Jesus, dem Christus, brauchen?


Wenn er die Samariterin so behutsam zu sich selbst gebracht hat, dann vermag er doch auch in unserem Leben das Verdrängte anzusprechen und aufzuzeigen. Noch dazu, da Jesus mit der Frau unbefangen redet, ohne sie zu verurteilen. So bleibt eigentlich als Frohe Botschaft kein moralisches Nachgeschmäckle übrig, sondern der Umstand, dass die Samariterin selbstbewusst ihr Leben in einem neuen Licht sehen kann. So hat Jesus im Gespräch das neue Leben in ihr zur Welt gebracht. Jesus wurde zum dialogischen Geburtshelfer ihres gelösten und erlösten neuen Selbstbewusstseins.


Liebe Mitchristen, Jesus sitzt auch für uns nachmittags am Brunnen, wenn der Tag sich entscheidet. In der Mittagszeit wartet er auf unsere Ankunft. Jesus wartet darauf, dass er uns ansprechen kann: „Gib mir zu trinken!“, so dass sich ein rettender Dialog entwickeln kann.

Alle Gefahren, die wir verdrängen, vermag er anzusprechen und ins richtige Licht zu bringen. Das gilt für Groß und Klein, für Politiker und andere.

Die eigentlichen Gefahren sind die, die wir verdrängen.


Nur mit Jesus, dem Menschenfreund, dem sympathischen Heiland, vermögen wir zu uns selbst zu kommen, damit wir im Leben die richtigen Entscheidungen fällen. Jesus, der das Inwendige kennt, vermag uns auswendig zum Sprechen zu bringen. Im Dialog mit ihm finden wir zur Freiheit der Gotteserkenntnis und zur Freiheit der Menschenkenntnis. Dazu ist uns der Anschluss an die unerschöpfliche göttliche Liebe gegeben. Der Apostel Paulus formuliert das so: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“


Wenn wir diese Liebe im Herzen haben, vermögen wir das Notwendige und das Notwendende für die Menschen zu erkennen.

Ein konsequentes Bekenntnis zu Jesus und ein konsequentes Handeln wird die Welt verändern. Voraussetzung, wir sind bereit, uns in allem zu verändern und mit neuem Eifer das Gespräch mit Jesus zu suchen: Jesus, wie kannst du mich, einen Sünder, der ich so vieles verdrängt habe, um Wasser bitten?



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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