Predigt am Palmsonntag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 17. April 2011



Evangelium: Mt 21,1-11



Überall im Land bricht zurzeit der Frühling durch – und zwar unaufhaltsam!

Wer dazu hin im Grünen wohnt, der hört ihn kommen – die Vögel lassen nicht nach, ihn zu verkünden.

Die Vögel des Himmels, die in den Zweigen der Bäume wohnen, tun ein Übriges, dass wir den Durchbruch des Lebens nicht verschlafen, sondern aufwachen und aufstehen für das Leben, das uns Jesus von Nazaret gebracht hat!


Liebe Kinder, liebe Jugendliche und Erwachsene!

Mit Palmzweigen in den Händen sind wir heute im Namen Jesu versammelt. Umso mehr sieht man es uns an, dass wir zu Jesus gehören.

Wir haben heute etwas in der Hand, das uns mit den Menschen von damals bis heute verbindet. Es ist „nur“ ein abgeschnittener Zweig; eigentlich schade, denn ein abgeschnittener Zweig wird verdorren – oder?

Es gibt doch die Möglichkeit, einen frischen grünen Zweig an einer frisch abgeschnittenen Stelle aufzupfropfen. Oder aber an der abgeschnittenen Stelle bricht seitwärts ein neuer Zweig hervor, aus einer Knospe, die vorher schlummerte.


Die Dynamik des Wachstums hat Gott in alle Lebewesen hineingelegt. Mit der Zeit bricht es unaufhaltsam durch, weil Gott selbst hinter dem Wachsen steht und es will!

Alles Wachstum braucht seine Zeit: die Ökumene, die Bäume und die Kinder!

Der Zweig in unseren Händen soll also nicht verdorren, sondern grün bleiben! Er ist Ausdruck unseres Glaubens, der neue Wurzeln treibt (mit der einen Hand nach oben, mit der anderen Hand nach unten zeigen). Je größer ein Baum wird, desto tiefere Wurzeln braucht er. Das kreisende Jahr bringt uns die Möglichkeit, unser Leben tiefer in Jesu Leben einzuwurzeln. Deswegen bleibt der Zweig in unseren Händen grün. Wir bringen unseren Palmstock dort an, dass man ihn weithin sehen kann: Hier ist Jesus zu Hause.


Liebe Erwachsene! Wir wissen, wie wichtig die Bäume sind, ökologisch gesehen: Sie filtern die Luft.

Mit dem Palmzweig in der Hand vermögen wir umso besser den religiösen Staub unserer Zeit zu filtern: Jesus-Zweige reinigen die Luft. Es ist zunehmend notwendig, dass wir Christen starke Jesus-Bäume werden: ein Mann, eine Frau – wie ein Baum für Jesus. Dann vermag ich Halt zu geben und die Erosion des Glaubens aufzuhalten. Nur starke Jesus-Bäume sind das adäquate Heilmittel für unsere Zeit.


Mit jedem Frühjahr beginnt eine neue Wachstumsperiode. So ist – im Bild übertragen – in jedem Osterfest eine neue Chance für jeden gegeben, das Leben in Jesus Christus neu zu begreifen. Setzen wir uns dem österlichen Wachstumsschub aus, denn das Leben überhaupt wird neu durchbrechen – und zwar unaufhaltsam! Seien wir mit dabei und gehören wir mit dazu, zu dem Volk, das Jesus als den Messias erkennt und anerkennt: Seien wir grüne Zweige voller Saft und Leben: Hosanna – dem Sohne Davids!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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