Predigt am Karfreitag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 22. April 2011



Jesus von Nazaret am Kreuz ist der konkrete Ausgangspunkt zur Erlösung der ganzen Welt


Zwei „Dinge“ müssen zusammenkommen, damit wir etwas begreifen. Dann können wir es bestimmen und es wird konkret. Also zum Beispiel: zu jener Zeit und an diesem Ort!


Diesen Ort gibt es noch: die so genannte Schädelhöhe, wo das Kreuz Jesu stand.

Und die Zeit: Nach dem Ausweis des Johannes-Evangeliums starb Jesus am Vortag vor dem jüdischen Osterfest, das auf einen Sabbat fiel, also an einem Freitag. Nur am 8. April 30 und am 4. April 33 fielen das jüdische Paschafest und der Sabbat auf einen Tag zusammen.

Somit haben wir die zwei „Dinge“ Ort und Zeit, sprich das konkrete Kreuz Jesu, an dem er hing.

Auf diese Stelle der Erde hat der Herrgott „ein rotes Kreuz gemacht“. In diesem Kreuz hat Gott die Menschheit erwählt und sich zu eigen gemacht.

Am 7. April 30 oder am 3. April 33, am Vortag des Paschafestes, hat der Herrgott auf Golgota die Menschheit „angekreuzt“ und für immer erwählt.


Diese Erwählung besitzt eine Höhe und eine Tiefe bzw. eine Weite und eine Breite, die nicht auszuloten sind. Der Kreuzesstamm, der senkrecht in die Erde gerammt wurde, wie weit reicht diese Vertikale nach unten und wie weit nach oben?!

Der Kreuzesbalken, den Jesus selbst tragen musste, wie weit reicht diese Horizontale nach links und nach rechts?!

Wir wissen es nicht! Aber wir können uns eine Grenze vorstellen: die Grenze zwischen endlich und unendlich. Aber genau in dem Augenblick, in dem wir uns eine solche Grenze denken, leuchtet uns ein, dass es für die allumfassende Erlösung durch das Kreuz keine Grenze geben kann! Deswegen sind die Kreuzeslinien gerade, denn die Gerade ist ein Symbol für Ewigkeit.


Kommen wir also wieder zurück zu dem Punkt, wo die beiden Linien des Kreuzes sich kreuzen. Da hing Jesus ganz konkret, ganz wirklich. Da ist die Quelle, also in der Mitte. Da befindet sich das zentrale Wundmal. Denn aus der Seitenwunde des am Kreuz entschlafenen Christus ist das wunderbare Geheimnis der ganzen Kirche hervorgegangen, ausgelöst durch einen Lanzenstich.

Menschenkind, bedenke, dass dein Leben aus diesem gottesherzlichen Punkt hervorging!


Die Spur deines Lebens ist nunmehr leuchtend rot – mit vielen Windungen und Kurven, Schleifen und Wiederholungen und niemals gerade, denn unser Leben ist endlich und deshalb krumm. Unsere Lebensspur wird sich wieder einkrümmen – zurück zum Ausgangspunkt und herzliche Aufnahme finden. Aber vom Anfang bis zum Ende ist unsere Lebensspur getränkt vom Blut der Erlösung.

Unser konkretes Geburtsdatum (wann und wo?!) und unser konkretes Sterbedatum (wann und wo?!) ist also „eingebettet“ in das Herz des Erlösers, der damals für uns starb auf Golgota.


Dementsprechend können wir folgerichtig weiterdenken. „Endet“ unsere Lebensspur im Herzen Jesu, dann zieht sie sich genau so weiter in die Höhe und Tiefe, auch in die Weite und Breite des Kreuzes, d.h. wir sind hineingenommen in die unendliche und ewige Auswirkung seiner erlösenden Kraft.

Das göttliche Herz am Kreuz braucht allerdings ein zweites: dein Herz! Es muss einen Stich auch in dein Herz geben, nur dann sind beide offen und können zusammenströmen.


Jesu Zeit und Ort und deine Lebenszeit und dein Lebensort sind auf dieser Erde räumlich und zeitlich getrennt, aber genau diese Konkretionen bilden die Bedingung der Möglichkeit für die Hochzeit der Herzen. Schau auf das verwundete Herz Jesu und lass dein verwundetes Herz davon heilen. Was nützt die große weite Welt, wenn du kein Zuhause hast. Zwei Dinge müssen zusammenkommen: Jesu Herz und dein Herz. Komm also nach Hause und begreife!


Liebe Mitchristen! Lassen Sie sich tränken vom Herzen Jesu, es ist die Quelle ewiger Sättigung.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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