Predigt am Ostersonntag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 24. April 2011


Evangelium:    Joh 20,1-18

Gott hat in der Auferstehung Jesu die Welt neu geschaffen


„Alle Jahre wieder“ ... nein, ich liege nicht falsch, liebe Gemeinde, ich weiß schon, dass heute Ostern ist. Aber alle Jahre wieder folgt auf das Weihnachtsfest eben – Ostern. Also alle Jahre wieder das Gleiche?
Was ist schon „gleich"? Und was heißt da „wieder"?
Von Ostern mal kurz abgesehen – ist denn der gestrige Tag gleich wie heute?
Schon „wieder" ein Tag und „gleich" wie gestern? Ändert sich nur das Datum?

Liebe Gemeinde, es gibt Geschehnisse, die sind einmalig und unwiderruflich und unwiederholbar, zum Beispiel, wenn ein neuer Erdenbürger auf die Welt kommt,dadurch wird die Welt anders.
Den Geburtstag feiern wir dann zwar immer wieder, aber immer wieder neu und dahinter steckt diese Wirklichkeit, geboren zu sein.
Eigentlich steckt der Herrgott dahinter, wenn man die Dinge insgesamt konsequent zurückverfolgt. Am Anfang der Bibel steht ja, dass Gott sprach: „Es werde ... !“ Damit ist nicht gemeint, es werde – immer wieder. Denn die Schöpfungselemente, die sich nach einer bestimmten Ordnung entwickelt haben, sind ja geblieben. Und was ist schon gleich? Kein Blatt gleicht dem andern!
Deswegen gilt aufgrund der Schöpferliebe Gottes: Jeder Mensch ist einmalig und kostbar – Pflanzen und Tiere inbegriffen.
Wenn Gott also alles sehr gut gemacht hatte, dann braucht er auch nichts davon „wegzuwerfen"! Dann ist auch nichts davon Abfall.

Wir merken schnell, jetzt brauchen wir auch eine Lösung für die Angelegenheiten, wo der Wurm drin ist, für Krankheit und Tod und vom Ergebnis her betrachtet: fürs Grab.
Was ist damit?

Einmal war Jesus bei Maria und Marta zu Gast, deren Bruder war Lazarus, über dessen Tod Jesus weinte. An seinem Grab angekommen, rief Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11, 43). Den Ausgang der Geschichte kennen wir: Der Verstorbene kam heraus.
Ein Jugendlicher fragte mich nach: „Was ist jetzt der Unterschied zu Jesu Auferstehung?“ Meine Antwort: Lazarus ist wieder in dieses irdische Leben zurückgekehrt. Das bisherige irdische Leben wurde ihm wiedergegeben. Nichts absolut Neues also!

In der Realschule schrieb ein Junge in der sechsten Klasse über Ostern: „Jesus ist wieder auferstanden.“
Jetzt meinte der Junge wohl etwas Richtiges, aber die Formulierung ist falsch.
è Jesus ist nicht wieder auferstanden,
sondern: Jesus ist auferstanden! ç
Wenn Jesus nur wieder auferstanden wäre (etwa wie Lazarus), dann würde und könnte sich das laufend wiederholen, gleichsam wie bei einer Wiedergeburt, aber damit kämen wir zu keiner Endgültigkeit.

Jesus ist auferstanden, das meint ein endgültiges und unwiderrufliches Faktum, eine Tat Gottes, ein für alle Mal.
Gott hat in der Auferstehung Jesu die Welt neu geschaffen. Der Gottmensch Jesus Christus hat damit das Menschsein neu gemacht, weil er unser Menschsein in die österliche Wirklichkeit der Auferstehung mithineingenommen hat.
Man könnte also auch so sagen: Gott sprach: Es werde ewiges Leben für die Menschen. Deswegen spricht man von der Neu-Schöpfung, weil sie die „alte“ Schöpfung übertrifft.
„Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut“ (Gen 1,31). Ich möchte hinzufügen: Sehr gut mit Sternchen! Von nun an soll es Menschen geben mit dem Stern der Auferstehung! Wie aber hole ich diesen Stern vom Himmel?

Machen wir es wie Maria von Magdala durch Weinen und Suchen!
Sie hatte in Jesus Annahme, Vergebung und Liebe erfahren. Dieser Jesus war ihr jetzt genommen. Den Verlust beweinte sie an der irdischen Endstation, am Grab. Sie suchte noch die gegenständliche Erinnerung, den Leichnam.
Gott hatte ihn weggenommen, um so mehr war sie jetzt empfänglich geworden, dass Gott zu ihr spricht – vorbereitet durch die Engel und dann durch Jesus selbst, den Auferstandenen. Sie wird von der österlichen Wirklichkeit angesprochen. Jesus und Maria tauschen ihre Namen aus, ja tauschen ihre Adressen aus. Diese neue Adresse Gottes in Jesus Christus ist für sie nicht zum Festhalten bestimmt, sondern zum Weitergeben und Weiteraustauschen. Maria ist somit zu einem wichtigen Ausgangspunkt der österlichen Verkündigung geworden mit einer unübersehbaren Auswirkung bis heute.

Wo steht nun unsere Maria von Magdala, wo finden wir unsere Sündhaftigkeit, unsere Reue, unsere Liebe zu Jesus?
Gehen wir zurück zum Grab, zum Ausgangspunkt unserer Hoffnung. Gehen wir dorthin, wo wir unsere Hoffnungen, unsere Visionen, unsere Liebe, unser religiöses Leben begraben haben, weil wir schon aufgegeben und resigniert haben angesichts so vieler widriger Umstände, die scheinbar dagegen sprachen.
Gehen wir hin und suchen wir und weinen uns aus! Wenn der Herr auferstanden ist, dann wird er uns mit Namen ansprechen, unser Erlöser, der für uns gestorben und auferstanden ist.
Die Anrede heißt dann nicht nur:
Adam – wo bist du? Eva – wo bist du?, sondern die Anrede heißt für jeden und jede in seiner bzw. ihrer Situation: „Geliebter Sohn, geliebte Tochter!“ Und er redet jeden von uns mit Namen an. Anschließend gilt für alle Angesprochenen, auch direkt für uns: „Ich gehe hinauf zu eurem Vater und zu meinem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!“

Damit verbindet Jesus seine eigene Zukunft mit der unsrigen, ja Jesus vermählt sich mit uns. Diese Vermählung feiern wir immer wieder in der Heiligen Eucharistie. Christen grüßen als österlich Vermählte ihres Herrn.
Die Rückkehr zur Erde soll nicht mehr unser Leben bestimmen, sondern der Heimgang zu Gott, dem Vater.
Das Alte ist vergangen – absolut Neues ist geworden!
In diese neue Wirklichkeit wurden wir hineingeboren durch den Glauben und die Taufe.
„Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat!“ Ein unwiederholbares Datum auf Zukunft hin!

Nicht schon wieder, sondern: Es ist und bleibt Ostern!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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